Aus: So und So online-Zeitung www.sooderso.de (sprachlich leicht korrigiert)

Erklärung der Organisation 17. November

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, daß die 1. Welt gegen die 3. Welt einige Schlachten gewinnen kann, jedoch nicht den Krieg. Selbst wenn sie den Sieg erringen könnte, würde sie die Kontrolle über diese Gebiete nicht garantieren können. Die gute Karte des Kapitalismus ist verschwunden: die Bereitschaft der Massen in den Kolonien, ohne jeden Widerstand von ein paar Besatzern regiert zu werden.

Während das Habsburger-Reich Bosnien und Herzegowina problemlos zu regieren imstande war, erläuterten die westlichen Militärberater 1990 ihren Regierungen, daß die Befriedung dieses unglücklichen, vom Krieg zerfleischten Landes die Anwesenheit von mehreren Hunderttausenden Soldaten erfordere, d.h. die Mobilisierung von für einen großen Krieg von unabsehbarer Dauer erforderlichen Kräften.

Somalia war immer eine schwer zu regierende Kolonie und oft war Großbritannien gewungen, Militärkräfte in Divisionsstärke unter der Führung eines Generals zu schicken. Aber weder in Rom noch in London dachte man jemals, daß Mohammed Ben Abdallah, jener berühmte Mahd Mullah unlösbare Probleme für die britischen und italienischen Kolonien schaffen würde. Trotzdem mußten sich die USA und die anderen UN-Militärkräfte 1993 unehrenhaft zurückziehen, angesichts der Perspektive einer Besetzung von unbestimmter Dauer ohne konkrete Ziele.

Selbst diese starken USA erbleichten, als in Haiti, dem traditionellen Satelliten Washingtons, ein in den USA ausgebildeter General an der Spitze eines von den USA bewaffneten Heeres die Rückkehr eines gewählten, von den USA unterstützen Präsidenten verhinderte und die USA offen aufforderte, das Land erneut zu besetzen. Die USA weigerten sich einzumarschieren, anders als in der Zeit zwischen 1915 und 1934. Nicht etwa, weil die 1.000 Soldaten des Heeres von Haiti für die Amerikaner ein ernstes militärisches Problem dargestellt hätten, sondern weil die USA nicht mehr fähig waren, mit ihrer Macht das Problem Haiti zu lösen. (E. Hobsbawn britischer Historiker: Das Jahrtausend der Gegensätze, Geschichte des kurzen 20. Jahrhunderts 1914 1991).

Vor zwei Jahren schrieben wir in einer Erklärung, in der wir den griechischen Nationalismus und den westlichen rassistischen Nationalismus gegenüberstellten, daß es in Griechenland im Gegenssatz zum Westen keine breite Zustimmung zu militärischen Interventionen in der 3. Welt gibt. Diese Zustimmung hat ihre Ursachen in der jüngeren Kolonialpolitik (des Westens). In Griechenland gab keine solchen Kolonialaktivitäten, im Gegenteil, es war selbst Opfer von Interventionen. Es war noch kein Jahr vergangen, als uns die tragischen Ereignisse im Kosovo und die massiven NATO-Bombenangriffe auf Jugoslawien recht gaben. Während das griechische Volk, wie sowohl die zahlreichen Aktionen als auch die Meinungsumfragen zeigten, in seiner überwiegenden Mehrheit die NATO-Bombenangriffe verurteilte und die groben Entschuldigungen à la menschlicher Krieg genauso zurückwies wie die neue, an die Naiven gerichtete Ideologie des Vorrangs der Menschenrechte über die nationale Soveränität, unterstützte die westliche öf fentliche Meinung in ihrer Mehrheit die barbarischen Bombenangriffe und akzeptierte den Krieg als Notwendigkeit. Obwohl die fürchterlichen Lügen und die Propaganda der kontrollierten westlichen Massenmedien dabei eine wichtige Rolle spielten, könnte dieses Ziel nicht erreicht werden, wenn der Boden dafür nicht vorhanden wäre: die tiefverwurzelte Überzeugung, höhere Völker zu sein, und damit berechtigt zu sein, Pariavölker auszurotten, vorgestern die Schwarzen, Koreaner, Vietnamesen, gestern die Araber, Palästinenser, Lybier und Iraker, heute die Jugoslawen, morgen Russen und andere.

Jedes der Elemente, die bewußt von der westlichen öffentlichen Meinung verschwiegen werden, zeigt den verfälschten Charakter dieses humanistischen Kreuzzugs gegen den der ethnischen Säuberung beschuldigten Mi‧lo‧sevic:

- Die Türkei, die solche oder noch schlimmere Genozidverbrechen gegen das kurdische Volk verübte, um nicht Zypern zu erwähnen, nahm sowohl mit Bodentruppen als auch mit Flugzeugen teil.

- Die massiven Luftangriffe, 78 Tage lang, gegen ein kleines, unabhängiges, souveränes Land, ohne einen Hauch von Legitimierung durch den UNO-Sicherheitsrat.

- Die Zerstörung der Ökonomie des Landes, seiner industriellen Infrastruktur, der Verkehrsmittel, Brücken, der Radio- und Fernsehanstalten, der Krankenhäuser, Schulen, Märkte, Dörfer, der Flüchtlingslager, der Strom- und Wasserleitungen zugleich mit der Ermordung Tausender unbewaffneter Menschen stellt ein Naziverbrechen dar. Denn es war kein Kollateral-Schaden, kein ungewollter Schlag, sondern in erster Linie die bewußte Zerstörung eines Landes und die Verletzung seiner nichtkämpfenden Bevölkerung und in zweiter Linie ein mililtärisches Ziel: Das Volk terrorisieren, egal wo es sich befand, in der Stadt, im Dorf, im Bus, im Zug, auf dem Markt, im Krankenhaus usw., damit es sich nirgendwo mehr sicher fühlen kann und es zwingen, Milosevic zu stürzen. Zyniker wie Blair und Cook haben es offen ausgesprochen: Wir müssen zugeben, wir befinden uns mit dem jugoslawischen Volk im Krieg, weil es schuld daran ist, eine solche Führung zu haben und sie nicht stürzt.

Schließlich haben dieselben westlichen Massenmedien zugegeben, daß das jugoslawische Heer mit geringen Verlusten aus dem Kosovo abgezogen ist. Und das Verbrechen wird noch verabscheuenswürdiger, wenn man das neue Charakteristikum der zeitgemäßen Kriege in Betracht zieht, das der Krieg gegen den Irak zeigte:

Die Gesamtzahl der zivilen Opfer ist nicht nur unverhältnismäßig hoch im Vergleich zu den militärischen Opfern, sondern sie wächst nach dem Ende der Kriegshandlungen noch weiter an. Die Kombination aus Benutzung von Waffen mit radioaktiven Materialien wie abgereichertes Uran (depleted uranium), die Krebs, Leukämie und Mißgeburten hervorrufen, aus der ökonomischen Katastrophe und dem anhaltenden wirtschaftlichen Embargo, führt zum Zusammenbruch des Krankenhaus- und Gesundheitssystems, das sowohl im Irak, als auch in Jugoslawien vor dem Krieg in gutem Zustand war. Das führt zum Ausbruch von Epidemien, weil aufgrund des Embargos Medikamente sowie die elementaren hygienischen Voraussetzungen fehlen und zu Verheerungen in der Bevölkerung aufgrund von Infektionen insbesondere bei Kindern in einem Ausmaß, daß die zwei letzten Leiter der humanitären Organisation der UNO im Irak aus Protest gegen diese Situation zurückgetreten sind. So liegt nach westlichen Quellen die Gesamtzahl der Opfer des Krieges heut e um vieles höher als während des Krieges 1991 selbst, und zwar an die 1 1/2 Millionen in der überwiegenden Mehrheit Nichtkämpfende und Kinder. Ein kurzer Vergleich der NATO-Bombardierungen mit den entsprechenden Aktivitäten Hitlers zeigt unmißverständlich, auf welcher Ebene der Barbarei sich die heutige Demokratie westlichen Typs befindet: Selbst die Nazis haben es nicht gewagt, Nichtkämpfende zu bombardieren, wenigstens in der ersten Phase des berühmten Kampfes gegen England 1940. In einer Zeit, in der die Luftwaffe nicht die heutigen Möglichkeiten hatte, in der das Zielen mit bloßem Auge erfolgte, und die britische Luftwaffe RAF qualitativ gleich, wenn nicht besser war als die deutsche, begannen die Nazis am 12. August 1940 England zu bombardieren. Einen Monat lang bombardierten sie bei Tageslicht ausschließlich militärische Ziele, trafen auf heftigen Widerstand der RAF und verloren bei hunderten von Luftkämpfen hunderte Flugzeuge und Piloten (zweifellos hatten auch die Briten entsprechende Verluste). Trotz der Verluste bombardierten und zerstörten sie nur militärische Ziele der RAF, Radar, Landebahnen, Zentren der drahtlosen Funkkoordinierung der Flugzeuge, Beobachtungstürme, Kasernen, Gebäude und Waffenlager. Am 23. August bombardierte die englische RAF Berlin, blind, als Vergeltung und wiederholte das in den folgenden Nächten, bis am 7. September die Deutschen den Engländern nacheiferten und begannen, blind englische Städte zu bombardieren, sodaß die beiderseitigen Bombardierungen zwei Monate andauerten. Also haben die Nazis, die allgemein anerkannten besten Verbrecher des 20. Jahrhunderts es, einem Gewissen über die Natur der Verbrechens folgend, nicht gewagt, Nichtkämpfende zu bombardieren.

Im Vergleich mit den 78 Tage lang währenden NATO-Bombardierungen des schwachen Jugoslawiens, das eigentlich keine Luftwaffe hatte, schienen die Nazis romantische Humanisten. Von welcher faschistischen Gefahr also schwatzen die verschiedenen Pharisäer, Würdenträger des Westens, wenn der Faschismus täglich von denselben Demokraten gepflegt wird, als Resultat des Verrats an den Grundsätzen der Aufklärung, mit einer anderen Maske?

Die Analogien mit den Nazis enden hier aber nicht: Es scheint, daß die bahnbrechenden politischen und militärischen Ideen bei der NATO nicht mehr gedeihen und sie deshalb in die alte, aber erprobte Taktik Hitlers im Sudetenland flüchtet. Alles, was im Kosovo während der letzten drei Jahre außer den Bombardierungen geschah, ist eine getreue Abschrift:

Das Sudetenland war eine Provinz der Tschechoslowakei mit einer bedeutenden deutschsprachigen Minderheit. 1933 wurde die Partei der Sudetendeutschen unter der Führung des von Hitler ausgewählten Henlein gegründet. Sie wurde 1935 von zwei Drittel der Deutschsprachigen gewählt. Im April 1938 verkündet Henlein ein politisches Programm, in dem er die Autonomie des Sudetenlandes im Rahmen eines Bundes mit der Tschechoslowakei fordert. Die tschechoslowakische Regierung war trotz des Druckes der Engländer und Franzosen, die sich weigerten, sie zu unterstützen und die Verpflichtungen aus dem Abkommen von Luzern zu erfüllen, nicht einverstanden. Die Partei leitet eine Welle von Sabotageakten, Bombenangriffen, Ermordungen von Tschechoslowaken ein, worauf Prag mit Mobilmachung antwortet. Hitler machte eine Kurve um 180 Grad (Rambouillet) und forderte den offenen Einmarsch und die Annektierung: er behauptete, es sei zu spät, Deutschland wäre durch die Gewalttätigkeiten der tschechoslowakischen Polizei beleidi gt worden. Die militärische Annexion erfolgte am 1. Oktober 1938, mit dem Einverständnis der Engländer und Franzosen in München, und ohne daß die Meinung der tschechoslowakischen Regierung eingeholt wurde.

Schließlich verletzten die Amerikaner und die NATO das UN-Abkommen 1244, welches sie Jugoslawien mit Gewalt auferlegt hatten (originellerweise beschuldigten sie voriges Jahr Milosevic, das Abkommen nicht respektiert zu haben), genau wie Hitler das Münchener Abkommen verletzt hatte, in dem er die Souveränität der Rest-Tschechoslowakei anerkannt hatte.

Nicht nur hatten sie die UCK nicht entwaffnet, sondern sie schürten die nationalistische Gewalt auf Seiten der Albaner, indem sie die UCK ungestört die wenigen übriggebliebenen Serben liquidieren ließen. Sie beschränkten sich auch nicht darauf, kein autonomes Kosovo im Rahmen Jugoslawiens anzuerkennen, sie gründeten ein Protektorat außerhalb Jugoslawiens. Weiters anerkennen sie nicht einmal die Integrität Jugoslawiens und schicken neue, starke Militärkräfte nach Südserbien, um dort und in Montenegro zu versuchen, neue Gebiete abzuspalten.

Sicher muß man naiv sein, um die Ehrlichkeit, ihr Wort und ihre schriftlichen Verpflichtungen einzuhalten, von Leuten zu erwarten, die nicht davor zurückschrecken, ein Land zu zerstören und Tausende von nichtkämpfenden Menschen zu ermorden.

An diesem Naziverbrechen gegen Jugoslawien nahm auch die griechische PASOK-Regierung teil, indem sie alle NATO-Beschlüsse unterschrieb und indem sie den einzigen Dienst anbot, den die NATO von ihr erwartete sie ließ das NATO-Militär, das in den Kosovo einmarschierte und es besetzte, durch ihr Territorium passieren. Denn Verbrecher sind nicht nur die Piloten, die zielen, sondern all diejenigen, die, egal wie, an einer vielseitigen Kriegsunternehmung teilnehmen, die zum Ziel hat, Piloten zu erlauben, ohne Gefahr zu zielen und die verbrecherische Unternehmung auszuführen. Und nichts ist ekelerregender, als das Schattentheater des deutschen Botschafters und des Regierungssprechers, die, als wir voriges Jahr einen Raketenanschlag auf die Botschafterwohnung unternahmen, ihre Abscheu angesichts der Vorstellung zum Ausdruck brachten, es könnte menschliche Opfer geben, während gleichzeitig ihre Regierungen an der Ermordung Tausender nichtkämpfender Menschen in Jugoslawien teilnahmen.

Die Teilnahme der griechischen Regierung am Kosovokrieg hat, außer daß sie den Mythos ihrer friedliebenden Politik am Balkan zerstreute, gezeigt, daß sie eine niederträchtige Regierung ist, im Dienste der Amerikaner, da die Teilnahme offen gegen die Interessen des Landes ist das Gegenteil von dem, was Simitis (der sozialdemokratische Premierminister) behauptet. Wenn du den Krieg für die Zerstückelung, Abspaltung und die Grenzänderung wählst, degradierst und entwürdigst du deine Position der friedlichen Lösung, der des internationalen Rechts, die du bislang für die Begegnung der Probleme mit der Türkei und deren Lösung ausgewählt hast. Denn wenn du dich morgen gegenüber den Türken auf das Recht und auf die UNO-Beschlüsse für Zypern berufen wirst, werden sie einen Lachkrampf bekommen und dir mit Recht antworten: Über was für ein Recht sprichst du, mein Schatz? Was habt ihr in Bosnien gemacht? Habt ihr es nicht geteilt? Sollten nicht die Amerikaner vor drei Jahren aus Bosnien abziehen und sie sind immer noch dort? Was habt ihr im Kosovo gemacht, natürlich mit uns allen, haben wir nicht alle zusammen die UNO-Beschlüsse auf die Sohlen unserer alten Schuhe geschrieben? (griechische Redewendung für Nichternstnehmen/d. Übers.) Das gleiche taten wir mit Zypern. Kann sein, daß wir es in der Ägäis wiederholen, wenn ihr nicht brav seid und uns nicht gebt, was wir fordern.

Durch die Teilnahme an diesem mörderischen imperialistischen Krieg wurde Griechenland selbst unterminiert, es verließ praktisch seine festen Thesen und kapitulierte ohne Bedingungen. Beim Helsinki-Abkommen erkannte Griechenland alle türkischen Forderungen als verhandelbar an, zu Ungunsten des Landes. Ohne Gegenleistungen. Es ist kein Zufall, daß Simitis zusammen mit Jorgaki (gemeint ist Jorgos Papandreou, der jetzige Außenminister und Sohn von Andreas Papandreou/d.Übers) nach dem Kosovo-Krieg sofort das unterschrieb, was Simitis sich drei Jahre nach Imia (gemeint ist das Hissen der türkischen Flagge auf einer griechischen Steininsel/d. Übers.) zu unterschreiben fürchtete, und wo Pangalos mit zornigem Ton gedonnert hatte: Griechenland geht nicht nach Dayton, weil es keinen Krieg verloren hat. Es unterschreibt nicht!

Von den Tausenden Lügen und Vertuschungen der westlichen Massenmedien werden wir nur drei Fälle erwähnen, die ihre propagandistische Taktik beleuchten:

1. Der berühmte Bericht der 1300 OSZE-Beobachter, der angeblich den Genozid von Milosevic im Kosovo zwischen November 1998 und März 1999 beweist, auf den sich der Westen angeblich stützte, um in den humanen Krieg zu flüchten, wurde nicht nur nicht vor den Bombardierungen veröffentlicht, er wurde auch bis Dezember, also sechs Monate nach Beendigung des Krieges, geheimgehalten. Warum wohl? Vielleicht, weil im Kapitel V steht: Die kurz andauernden und willkürlichen Meuchelmorde wurden mit dem Beginn des Luftfeldzuges gegen Jugoslawien in der Nacht vom 24. auf den 25. März zum allgemeinen Phänomen im ganzen Kosovo. Bis zu diesem Zeitpunkt galt die Aufmerksamkeit der jugoslawischen Militär- und Sicherheitskräfte den Gemeinden im Kosovo und den Gegenden und Straßen, die von der UCK benutzt wurden oder solchen, wo die UCK ihre Basen hatte.

2. Die Hunderten westlichen Experten, Polizisten des FBI, des Scotland Yard usw., die sich im Kosovo niedergelassen hatten, um Massengräber und Krematorien mit vielen Zehntausenden oder Hunderttausenden von Albanern zu suchen, die, wie die westlichen Massenmedien und das State Department behauptet haben, nach Opfern der serbischen ethnischen Säuberungen suchen, fanden Kohlen anstelle des Schatzes, ohne zwischen Opfern der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dem jugoslawischen Heer und der UCK und Opfern der kaltblütigen Meuchelmorde unterscheiden zu können. Da die westlichen Radio- und Fernsehanstalten die Massengräber zum höchsten Kommunikationsgut erkoren hatten, kann sich jeder vorstellen, welche Radio- und Fernsehbombardierungen wir alle in der Zeit nach dem Krieg zu erleiden gehabt hätten, hätten sie auch nur ein einziges Massengrab gefunden, das die Bombardierungen im Nachhinein gerechtfertigt hätte.

3. Während der Dauer des Krieges wurden sowohl die westlichen Journalisten, als auch die bekannte Quisling-Journalisten-Gruppe, nicht müde, ohne rot zu werden zu behaupten, daß das Kosovo im Gegensatz zum Irak sehr arm und ohne strategische Bedeutung sei, also habe der Westen reine Absichten. Heute ist aber erwiesen, daß das eine Lüge ist, weil das Kosovo die an Bodenschätzen reichste Gegend in ganz Südost-Europa ist und vor den Bosnienkriegen der Hauptlieferant Europas für Blei und Zink war und auch den ganzen Nickel Jugoslawiens sowie die Hälfte seines Magnesiums produzierte. Es hat auch bedeutende Mengen an Kupfer, Eisen und Kohle. Es ist also nicht ohne Bedeutung für den Hundestreit um die Beute, der unter den Westlern begann und an dem auch die Griechen teilnehmen. Hier sei auch erwähnt, daß einige Griechen amerikanisches Kapital vertreten und das Verschleiern zum höchsten Fortschritt erkoren haben. Was das Fehlen jeglicher strategischen Bedeutung anlangt, sei der Ex-Botschafter der USA bei d er NATO zitiert: Das Kosovo stellt das Tor zu Gebieten von höchstem Interesse für den Westen dar: der arabisch-israelische Konflikt, Iran, Irak, Afghanistan, Kaspien und Ober-Kaspien. Die Stabilisierung in Südeuropa ist von grundlegender Bedeutung für den Schutz der westlichen Interessen und für die Einschränkung der Gefahren, die vom Fernen Osten herkommen. Und es kommt nicht von ungefähr, daß die Amerikaner heute lautlos eine ungeheure Basis-Festung bauen, mit einem Wert von anfangs über 100 Millionen US-Dollar.

Es ist sicherlich bemerkenswert, daß all dies hier wieder von Neuem aufgetischt wird, nicht von jemanden Unverdächtigen und Unerfahrenen, sondern von Leuten, die viele Jahre im Westen lebten und nicht berufen sind, die Naiven zu spielen, und zu behaupten, die Informationen der westlichen Presse vollständig und glaubhaft zu bringen. Diese Herren wissen genau, daß es das Problem der Zensur und der Propaganda in Kriegszeiten im Westen seit 1850 gibt und mit der Erfindung des Telegraphen wurde das Problem während des Krimkrieges 1853 gelöst also heute gibt es genügend Erfahrungen. Vor dieser strukturierten Zensur und Propaganda der westlichen Demokratie ist die klassische Zensur einer Junta oder die von Milosevic eine Komödie. Während zweitere auf Regierungsbefehlen an Journalisten und Beamte basiert, die in ihrer Gesamtheit keinesfalls blind aktiviert werden können, und die daher schwer zu verwirklichen ist, ist erstere systematisch und basiert auf Zustimmung, auf der Teilnahme der Massenmedien sel bst, mit dem Ziel, glaubhaft und erfolgreich zu sein.

Wir haben sie gesehen im Irak, in Timor und im Kosovo. Drei Beispiele zeigen es.

1. Die berüchtigte bourrage de crâne (Gehirnwäsche) ist nicht das Werk einer Diktatur, sondern ein echtes Produkt der französischen Demokratie. So wurde der ungeheure Propagandafeldzug der französischen Massenmedien während des 1. Weltkrieges bezeichnet.

2. Der Fall der Sabotage am Gorgopotamos (Fluß im Nordwesten von Griechenland/d.Übers.): Einen Tag nach der Sabotage verbreitete die BBC, daß Zervas und seine EDES (rechte Widerstandsorganisation während der deutschen Besatzung/d.Übers) sie zusammen mit englischen Saboteuren verwirklicht hätten, mit dem Ergebnis, daß die Deutschen Kopfgeld auf Zervas ausschrieben, während verschwiegen wurde, daß Aris und ELAS (Griechische Volksbefreiungsarmee/d.Übers.) entscheidend daran teilgenommen hatten. Ein Hörer der BBC hätten keinen Grund, es nicht zu glauben.

3. Folgender Fall ist relativ unbekannt: Während des 2. Weltkrieges, beim Einmarsch der Deutschen in Holland und beim Kampf um dessen Besetzung, bombardierten die Nazis drei Tage lang Rotterdam. Die Engländer gaben damals bekannt, die Opfer seien 30.000 Holländer. Und obwohl die holländische Regierung bei den Nürnberger Prozessen 1945 die Opfer mit 814 bezifferte, setzte die Encyclopedia Britannica bis zu ihrer Ausgabe von 1953 Zahl der Toten zwischen 25.000 und 30.000 an. Warum eine solche Lüge? Damit die Proteste aufhören, damit der Eindruck der blinden Bombardierungen deutscher Städte durch die Alliierten mit den Zehntausenden zivilen Opfern gemäßigt wird.

Neulich erklärte ein Präsidentschaftskandidat in den USA, die amerikanische Politik sei nichts anderes als ein allgemeines System von Bestechung, bei dem jede der beiden Parteien damit einverstanden ist, an der Macht zu bleiben, indem sie das Land an den meistbietenden verkauft. Diese Bemerkung, deren Ehrlichkeit der Kandidat bezahlte, gilt nicht nur für die USA, sondern für alle westlichen Demokratien und für Griechenland, wie die Epidemie von Wirtschaftsskandalen zeigt, in die Politiker in den letzten Jahren verwickelt waren. Wenn wir alle Untersuchungen in Betracht ziehen, die beweisen, daß die Wahlchancen eines Kandidaten analog zu den Wahlausgaben steigen, also die Abhängigkeit eines Abgeordneten einer Partei von seinem Geldgeber aufzeigen, und wir die heutige Struktur des Parlamentarismus sehen, verstehen wir die grundlegenden Veränderungen, die stattgefunden haben:

Während im alten Westen die Parlamente und die Abgeordneten über Respekt und Glanz verfügten, da sie sich sowohl in der Theorie als auch in der Praxis als Vertreter der Nation, als die Vertreter des souveränen Volkes darstellten, die in seinem Namen Beschlüsse fassen, was auch die Kraft der parlamentarischen Demokratie darstellte, gilt das heute nicht mehr. Die Beschlüsse werden woanders gefaßt, offen und unverhohlen. Mit der Konsequenz, daß die Abgeordneten, die Minister und Parlamente verrufen sind, wie die Meinungsumfragen in allen Ländern zeigen.

Es ist bekannt, daß sowohl die neuen Technologien als auch die Globalisierung der kapitalistischen Ökonomie, insbesondere des Geldkapitals und der Investoren, nicht jedoch die der Arbeitskraft, den Boden für den graduellen Raub der klassischen Zuständigkeiten des Nationalstaates durch die Kräfte des Marktes aufbereiteten. Die tatsächlichen Machtzentren, also die multinationalen Monopolgruppen des Westens und die politischen, ökonomischen und militärischen Organisationen wie G7, EU, NATO, IWF usw., die sich dahinter verbergen, beschließen alles, ohne, wie früher, etwas zu verheimlichen. Indem sie die Institution Nationalstaat als anachronistisch, vom Fortschritt der Ökonomie überholt, darstellen, vernebeln sie die Tatsache, daß die multinationale Monopolgruppe weder a-national noch übernational ist, auch wenn es sich um die Zusammenarbeit zweier oder mehrerer nationaler Gruppen handelt. Auch wenn es sich um die Zusammenarbeit zweier oder mehrerer nationaler Gruppen handelt, bleibt die Gruppe nati onal und stützt sich auf einen starken Nationalstaat. Häufig ist nicht die billigere oder bessere Ware der ausschlaggebende Grund, sondern die Macht des betreffenden Nationalstaates, der sie stützt. Und zwar doppelt: Nicht nur politisch, militärisch und kulturell, sondern durch die strukturelle Konkurrenz des nationalen Sektors von Kapitalgütern, der neuen Technologien und des starken nationalen Bank- und Geldsektors. Beweis dafür sind die zahlreichen wichtigen Verträge, die die USA (anderen Ländern) entreißen, nicht weil ihre Produkte konkurrenzfähiger wären, sondern mit politischem, diplomatischem und ökonomischem Druck und mit offenen militärischen Drohungen.

Mit Eifer hat der griechische Operettenstaat der Auflösung der starken griechischen Zementindustrie zugestimmt und erlaubte den Konkurrenten des westlichen Kartells, die AGET (Zementfirma/d.Übers) und die Zementfabrik in Chalkida zu verschlingen anders als in Deutschland, welches neulich eine Baufirma durch Bankdarlehen vor dem Bankrott rettete.

Vergessen wir nicht die Tatsache, daß die in Zastava gefertigten Autos vor 10 Jahren große Erfolge auf den westlichen Märkten, auch in den USA, hatten, obwohl sie technologisch nicht fortschrittlich waren, sich aber an Verbraucher mit niedrigen Einkommen wandten und so den großen westlichen Autoindustrien aufgrund seines Preises erfolgreich Konkurrenz machten. Was dieses Auto zum Verschwinden brachte, war nicht die wirtschaftliche Konkurrenz, die unsichtbare Hand des Marktes, sondern das Embargo und hauptsächlich die sehr sichtbaren Tomahawk-Raketen und Cruise-Missiles, die voriges Jahr die Produktionsstätten zerstörten.

Die Verteidigung um jeden Preis der Interessen dieser multinationalen monopolistischen Gruppen, die in Wirklichkeit national sind, ist das Fundament der zeitgemäßen westlichen Nationalismen, der Imperialismen, die auf allen Längen- und Breitengraden wüten. In ihrem fortdauernden und ewigen Konkurrenzkampf benützen sie in den letzten zwei Jahrzehnten jedes Mittel und jede Methode, die es ihnen ermöglicht, ihren Willen durchzudrücken, indem sie jedes Hindernis zynisch beiseite fegen, ihre Taten leugnen und alle Werte, Prinzipien, Regeln und Gesetze umwerfen, die nach jahrhundertelangen Kämpfen eingeführt und gültig waren: Volksherrschaft (zu Deutsch: Demokratie), Parlamente, Volkskontrolle, politische und gesellschaftliche Rechte, nationale Unabhängigkeit, internationales Recht.

Dieser Rückschritt, diese neue Unordnung, der offene Verrat an der europäischen Aufklärung und an den Volkskämpfen kennt nur ein Prinzip: das Interesse des Stärkeren, dem sich alle anderen unterwerfen müssen. Sie entscheiden über alles, ohne jemandem Rechenschaft abzulegen vom Internet bis zur massenhaften elektronischen Bespitzelung, der offenen Spionage von Staaten, Regierungen, Unternehmen durch das ECHELON, der Geld- und Staatspolitik, sie entscheiden also auch über Arbeitseinkommen und Arbeitslosigkeit, über Plünderung der Produktivkräfte durch Privatisierungen, Besteuerungssysteme, Arbeitsbedingungen, Versicherungs- und Ren‧ten‧system, Gesundheitssystem und Erziehung, die manipulierten Produkte, die Dioxine, die verrückten Kühe, die Umweltverschmutzung, der Kauf von Infektionsrechten, der Krieg, die barbarische Bombardierung souveräner Staaten, deren Zerstückelung und die Schaffung und Annexion von nicht-lebensfähigen Protektoraten.

Bei all dem steht die EU den USA um nichts nach, und manchmal gibt sie ihnen Instruktionen. Die politischen (zivilrechtlichen, Zivil-?) Gesetze stellen nicht, wie manche behaupten, ein Fehlen an Demokratie dar. Das gab es mehr oder weniger bei allen parlamentarischen Demokratien. Diese Gesetze stellen ein anderes System, das das Grundprinzip der Volksherrschaft aufhebt. Allen voran trennt sich die Exekutive nicht nur vom Parlament, sondern auch von seiner Quelle, dem Volk, aus dem sie angeblich die Macht schöpft. Sie wird nicht kontrolliert, gibt keine Rechenschaft und bekommt keine Sanktionen weder vom Volk noch vom Parlament. Dieses System ist die Verwirklichung der Theorie, daß das Volk nicht nur der Souverän und die Quelle jeder Macht ist, sondern nicht in der Lage, nicht zuständig ist, zu entscheiden. Die Wahlen haben nicht die Legitimation der Quelle der Macht zur Folge, sie sind einfach ein technisches Verfahren zur Auswahl von Bürokraten, die Beschlüsse anderer verwirklichen und sich m it zweitrangigen Angelegenheiten befassen. Sie sind heute decision makers, décideurs, Wörter, die es früher überhaupt nicht gab, da sie nichts anderes waren als die Regierung, die bevollmächtigten Vertreter des Staates, also die Abgeordneten, das Parlament, das herrschende Volk.

Innerhalb dieses Rahmens bewegen sich auch die Wahlen in unserem Land. Bei den Wahlen wird das griechische Volk aufgefordert, zwischen einer der beiden Parteien zu entscheiden, die nach der zutreffenden Meinung des oben zitierten amerikanischen Präsidentschaftskandidaten im Rahmen des allgemeinen Bestechungssystems das Land an den Meistbietenden verkauft haben. Man wird aufgefordert, die Partei zu wählen, die Beschlüsse verwirklichen wird, die woanders und zum eigenen Nachteil gefaßt worden sind sowohl innenpolitisch als auch im Zusammenhang mit den nationalen Themen und der Türkei.

Während es für diese Machtzentren unerheblich ist, wer diese Politik verwirklichen wird, hat die PASOK den riesigen Vorteil, daß sie an der Macht ist und jeden Volkswiderstand ausschaltet, war nicht der Fall wäre, wenn sie in der Opposition wäre. Alle Angriffe gegen die Beschäftigten in Westeuropa, gegen ihr Einkommen, ihre Beschäftigung, ihre Arbeitsbedingungen, ihre Versicherungs- und Rentenrechte, gegen eine Reihe von Errungenschaften und Ansprüchen, gegen alles, was vom Wohlfahrtsstaat übrig geblieben ist, aber auch manche wilden Privatisierungen sind von Sozialisten oder von Sozialdemokraten durchgeführt worden. Es ist also kein Zufall, daß sowohl die USA und die EU, als auch das hiesige Großkapital offen die PASOK unterstützen PASOK ist die zeitgemäße Rechte.

In einer Epoche, in der der entwickelte kapitalistische Westen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keinem sichtbaren Feind oder Gegner gegenübersteht, der eine ernsthafte Bedrohung derstellen würde, könnte man erwarten, daß die Menschheit zum Frieden schreitet und zur Geltung des internationalen Rechts. Die zwei wichtigen Kriege in einem Zeitraum von acht Jahren, aber auch der sprunghafte Anstieg der Militärausgaben der USA auf Dimensionen, die auch die der Krisenzeiten des kalten Krieges übersteigen, zeigen das Gegenteil. Die Barbarei der zwei Kriege, die Zerstörung der Ökonomie zweier keineswegs unterentwickelter Länder, das Massenschlachten von eineinhalb Millionen hauptsächlich nichtkämpfenden Menschen im Irak sowie die Vorbereitung des Westens für neue Kriege zeigen, daß sowohl die USA als auch die anderen großen westlichen Länder den Krieg und den offenen Terrorismus zum Hauptmittel für die Beherrschung anderer Länder erkoren haben, nicht nur zur Unterwerfung jener Länder, die sie zerstör en, sondern auch der restlichen.

Diese Kriege werden nicht aufhören. Neue Schlächter und neue humanistische Pflichten werden erfunden, damit morgen die tatsächlichen Ziele getroffen werden können: das kapitalistische und nicht das sozialistische Rußland, dessen Ökonomie in einigen Jahren aus dem heutigen Chaos herauskommen und dem heute erlaubt wird, die NATO nachzuahmen und die Tschetschenen zu schlachten, weil sie es gerade brauchen; China und die kommenden ökonomischen Kräfte der 3. Welt, die eine ernste ökonomische Bedrohung darstellen werden.

Diese Länder haben keine andere Wahl als die Produktion von Massenvernichtungswaffen, um ihrer eigenen Zerstörung und der Vernichtung jedes Erfolges zu entgehen. Darauf antwortet der übergerüstete Westen. Angesichts der Aussicht, ihren Vorrang zu verlieren, schrecken Ford, IBM, General Electric und Co. nicht davor zurück, in größerem Maßstab das zu wiederholen, was sie im Irak und in Jugoslawien machten.

Die Zukunft zeichnet sich düster, außer die Völker des Westens kommen aus ihrer Lethargie heraus und hören auf zu schlafen, wofür es einige kleine Anzeichen gibt. Die Barbarei aber und die Zerstörung, mit denen die USA und Co. versuchen, ihre unbestrittene militärische und ökonomische Überlegenheit auszunützen, um als neues überstarkes Kaiserreich zu erscheinen, das neue koloniale Beziehungen errichtet, können nur schwer ihr Grundcharakteristikum, ihre Schwäche, verbergen.

Sie können zwar zerstören und militärisch einige Kriege gewinnen, die politischen Ergebnisse dieser Siege aber sind unverhältnismäßig klein angesichts der Katastrophen und der Gemetzel. Vor einem Jahrhundert hätte jede Kolonialmacht den Irak in nur wenigen Wochen erledigt. Nach einigen Kämpfen im Landesinneren würde sie ihn militärisch besetzen und eine freundliche, vom Volk akzeptierte Verwaltung aus Einheimischen hinstellen und das Land befrieden. Heute, zehn Jahre nach der Katastrophe des Iraks, mit dem militärischen Sieg des Westens und trotz des fortdauernden wirtschaftlichen Embargos und der periodischen Bombardierungen mit amerikanischen und britischen Flugzeugen, haben die Planetenherrscher ihr hauptsächliches politisches Ziel die Installierung einer amerikafreundlichen Regierung in Bagdad nicht erreicht. Saddam Hussein ist noch immer dort.

Ein Jahr nach den Bombardierungen und der Katastrophe Jugoslawiens, trotz des fortwährenden wirtschaftlichen Embargos, aber auch des Verlustes an Gebieten, ist Milosevic (April 2000) trotz der wütenden Versuche des Westens, ihn zu stürzen, noch immer an seinem Platz. Sprechen wir nicht über die politischen Mißerfolge: Sowohl im Kosovo als auch in Bosnien wo die westlichen NATO-Kräfte vor zwei Jahren nach dem Dayton-Abkommen abziehen hätten sollen haben sie noch immer keine westenfreundlichen Herrschaften installiert.

Eine klare Schwäche zeigt das Beispiel Somalia, wo wie Hobsbawm erwähnt einige bewaffnete antiamerikanische Aktivitäten mit zwei Dutzend toten amerikanischen Soldaten ausgereicht haben, damit das Amerikanische Reich zusammenpackt und weggeht. Oder das Beispiel des Libanon, wo nur eine einzige Bombe mit ausreichend toten amerikanischen Soldaten genügte, damit die Amerikaner abziehen.

Es ist also kein Zufall, daß der Westen heute das als höchste Priorität setzt, was nach dem Irak und Jugoslawien völlig heuchlerisch, lügenhaft und lächerlich klingt: den Kampf gegen den Terrorismus, der nichts anderes ist als der gerechte, rechtmäßige Volkswiderstand gegen den neuzeitlichen Faschismus, gegen das Schlachten der Nichtkämpfenden und die systematische Terrorisierung der Völker.

Sie wissen, daß die Tomahawks, die Cruise und die Phantom Länder zerstören können, aber gegen einfache Mittel wie Pistolen und Dynamit nichts ausrichten können. Als Beweis gilt die Tatsache, daß das Reich nicht in der Lage ist, den 17. November auszulöschen nach 25 Jahren Aktion, mit den gerechten Exekutionen einer Reihe von amerikanischen Militärs und Agenten (CIA-Vorsteher, Admiral, Militärattaché, höhere Offiziere), nicht jedoch von einfachen Bürgern, wie die Amerikaner herumlügen.

Die Natur der Militärkräfte sowohl der USA als auch der anderen großen Länder des Westens hat sich gewandelt.

Während der letzten 50 Jahre führte keines dieser Heere einen Verteidigungs- oder patriotischen Krieg gegen einen Angreifer, sondern sie haben angegriffen und eine Reihe von Ländern mehr oder weniger zerstört, indem sie eine große Zahl von Nichtkämpfenden ermordeten. So bestehen sie heute nicht aus Wehrpflichtigen, die ihre Pflicht am Vaterland, welches sich verteidigt, erfüllen, sondern aus Berufssöldnern, die diese mörderischen Angriffe gegen andere Völker führen. Die Vermeidung von Opfern um jeden Preis, bei einem Krieg aus 5.000 Metern Höhe, ist nichts anderes als das Eingeständnis ihrer Schuld und der verbrecherischen Natur ihrer Aktivität. In der Geschichte gibt es keine Gesellschaft, die die gerechten Opfer eines patriotischen Krieges nicht anerkannte und sie nicht als Helden betrachtete. Es kann keine Entschuldigung für einen Piloten geben, der blind auf die Befehle seiner Vorgesetzen hört und mit voller Kälte einen Marktplatz voll mit Menschen bombardiert, eine fahrende Eisenbahn, einen v ollbesetzten Bus, ein Krankenhaus, eine Fabrik eines schwächeren Landes, das sich nicht verteidigen kann. Es gibt auch keine Entschuldigung für die anderen Soldaten, die entscheidend an dieser mörderischen Taktik teilnehmen, sei es, daß sie die Radars bedienen, Auskünfte sammeln, auch nicht für Bodenkräfte. Diese Herren sind nichts anderes als Söldner, Berufsmörder, und jeder hat das absolute Recht und die Pflicht, sie zu schlagen, egal wo er sie findet und wie immer er auch kann.

Wir beschlossen also, den Militärattaché der britischen Botschaft, Luftwaffengeneral Stephen Saunders zu exekutieren. In dieser seiner Eigenschaft nahm er im vorigen Jahr Teil an der Planung der barbarischen Luftbombardierungen Jugoslawiens und ist somit verantwortlich für das Naziverbrechen der Ermordung Tausender von Nichtkämpfenden, an der Zerstörung der Ökonomie und der Infrastruktur des Landes.

Wir haben einen höchstrangigen englischen Offizier ausgewählt, nicht nur weil England aktiv an den Bombardierungen teilnahm und außerdem zusammen mit den USA an den fortdauernden periodischen Bombardierungen des Irak beteiligt ist , sondern weil die englische Politik in der Gestalt von Blair, Cook und Robertson, ungeachtet der traditionellen englischen Heuchelei, an Provokanz, Zynismus und Angriffslust sogar die der Amerikaner übertraf.

Wir übernehmen außerdem die Verantwortung für folgende Aktivitäten, die wir voriges Jahr verwirklichten:

- Am 31. März Raketenbeschuß gegen das Zentralbüro der PASOK in der Charilaou Trikoupi-Straße.

- Am 3. April mit einer Bombe in der Ortsbüro der PASOK in der Galatsiou-Allee.

- Am 5. Mai mit dem Abschuß von drei Raketen in Piräus gegen drei westliche Banken, die amerikanische Chase-Manhattan, die britische Midland und die französische BNP.

- Am 8. Mai Bombenexplosion gegen die holländische Botschaft in der Lyzeumstraße.

- Am 16. Mai Raketenbeschuß gegen die Wohnung des deutschen Botschafters in Chalandri

PS 1: Es ist bekannt, daß es der CIA bei einem seiner seltenen Erfolge der letzten Jahre gelang, kurz bevor Ostdeutschland (DDR/d.Übers.) zusammenbrach, alle Stasi-Archive zu entreißen. Sie weigert sich bis heute, diese den Deutschen zu geben, die einen Anspruch darauf angemeldet haben. Der Grund ist selbstverständlich, daß sie alle Agenten Ostdeutschlands kennen und sie in der Hand haben.

Unter ihnen gab es auch einen Griechen, einen erfolgreichen Unternehmer auf dem Gebiet der neuen Technologien. Sobald die CIA in den Archiven entdeckte, daß fast sein ganzes Kapital aus dem ehemaligen Ostdeutschland stammte, besuchte sie ihn, faßte ihn am Ohr (griech. für: zur Rechenschaft ziehen/d.Übers.) und sagte: So. Also du bist ein Kollege, ein kleiner Dieb, ein kleiner Agent. Als Gentlemen werden wir dir einen Deal vorschlagen. Du kannst wählen: Entweder wir verurteilen dich wegen Spionage und stecken dich ins Gefängnis für den Rest deines Lebens eine traurige Sache oder wir vergessen alles, löschen alles jetzt und für die Zukunft aus, und du arbeitest für uns. Und damit wir unsere Arbeit, also unsere Geschäfte, nicht vergessen, wirst du nach einiger Zeit dein Unternehmen an uns für den symbolischen Wert von einem Dollar verkaufen. Einstweilen versuche, dich unseres Vertrauens würdig zu erweisen, indem du dein Profil ausnützt: Grieche, selfmade-man aus dem Balkan, ehemaliger Sympathisan t. Es ist eines, wenn ein Amerikaner in Bulgarien, Rumänien, Armenien, bei der griechischen OTE (Telekom/d.Übers.) auftritt und etwa anders, wenn du das machst.

Von dem Augenblick an, da unser Mann, das griechische trojanische Pferd der amerikanischen Unternehmen, seine neue Rolle spielt, kommen die Erfolge einer nach dem anderen. Was für Vorstellungen in CNN! Was für Lobgesänge in der englischsprachigen Presse! Was für Listen, in denen seine Unternehmen an Kapitalwert mit den großen westlichen Gruppen konkurrieren! Was für Umarmungen mit Berns (dem amerikanischen Botschafter in Athen/d.Übers.)! Was für eine Zusammenarbeit mit dem MIT! Was für Seminare und Stiftungen in den USA! Was für moderne, der neuen Ökonomie würdige, materiallose Investitionen: Die Abtretung des Managements und Aktienpakets an amerikanische Unternehmen in Rumänien erfolgt nicht mit der anachronistischen Methode des Kassierens des entsprechenden Kapitals, sondern gratis! Was für ein Vertrag mit einer anderen amerikanischen Gesellschaft über die Gewährung von Internetdiensten mit dem Ziel, die OTE bald zu schlagen wie richtige robber barons (amerikanische Räuberbarone, großka‧pi‧ta‧ lis‧ti‧sche Betrüger am Anfang des 20. Jahrhunderts).

All das ist auf dem ganzen Balkan bekannt, nicht aber dem griechischen Volk. Die Massenmedien, in Anwendung einer amerikanischen demokratischen Zensur, haben nicht den Mut, ein Wort darüber zu verlieren und seine Löwenhaut wegzunehmen. Sie haben nicht den Mut zu fragen: wie es möglich ist, daß jemand bei so vielen Erfolgen und mit einer so glänzenden Zukunft alle Aktien seines Unternehmens, außer fünf Prozent, verkauft? Wir hoffen, daß ihm seine Herrschaften nicht alles wegnehmen werden und seine wertvollen Dienste anerkennen und ihm sein bekanntes Hobby, den Sport übrig lassen, damit er jetzt im Alter eine Beschäftigung hat.

(Der Mann, der hier gemeint ist, heißt S. Kokkalis und hat eine Karriere wie Berlusconi gemacht, Firmen, Sportfunktionär usw./d:Übers)

PS 2: Vor einigen Jahren hatten wir die Intrigen der Mechanismen der Sicherheitskräfte aufgedeckt und verurteilt die Listen mit den Namen der Mitglieder des 17. November, die angeblich in den Stasi-Archivven gefunden worden wären.

Das war eine amerikanische Intrige mit dem Ziel, die Verhaftungen der bekannten Verdächtigen zu rechtfertigen Korobesis, Skyftoulis und andere. Dieses Konstrukt wurde von seinen Erfinden CIA-FBI nie aufgegeben und taucht von Zeit zu Zeit in verschiedenen Abwandlungen auf.

Voriges Jahr, zur Zeit des Verrats an Öcalan, erschienen vernebelte neue Erkenntnisse, manchmal bereichert, manchmal kreuzten sie sich mit den alten. Als wir sie aufforderten, uns zu verhaften, machten sie einen Rückzieher, obwohl wir mit neuen Bombenaktivitäten begannen. So nahm die Intrige nach unserer letzten Aktivität gegen die Wohnung des deutschen Botschafters im Mai eine neue Form an: Ein Jahr später behaupten die Sicherheitskräfte, ein Mitglied des 17. November wäre verletzt worden und sie hätten einen Blutstropfen. Das zeigt, daß das alles vorgeplant war und einer Aktivität von uns gleicht.

Am 2. November 1991 machten wir einen Anschlag auf einen Mannschaftswagen der MAT (Sondereinheit der Polizei/d.Übers.) vor den PASOK-Büros in der Charilaou Trikoupi-Straße nach der gleichen Methode. Wir benützten eine Rakete der gleichen Größe und ein Genosse hielt das Plastikrohr. Auch damals öffnete sich das Rohr nach dem Abschuß und wir ließen es wie geplant dort. Auch damals sprach die Polizei von Verletzten und suchte in allen Krankenhäusern, aber es gab keinen Verletzten. Es scheint aber, daß sie sich den kleinen Schritt von der Verletzung zum Blut nicht überlegt hatten. Als sie den Anschlag vom 2. November 1991 analysierten, kamen sie auf die Idee der Verletzung und des Blutes und sahen das für den Fall einer Wiederholung vor. Man wird sich fragen, warum die Polizei diese Intrige nicht angewandt hatte. Weil wir außer vor den PASOK-Büros niemals diese Methode Genosse hält Plastikrohr angewandt hatten. Sonst war es entweder ein Metallrohr oder beim Plastikrohr wurde der Abschuß mit einem Uhrmechanismus betätigt, nachdem wir uns entfernt hatten. So gab es keine Verletzten.

Die offizielle These der Sicherheitskräfte behauptet, die DNA eines Mitglieds des 17. November zu haben, können es aber nicht überprüfen, da sie 10 Millionen Griechen untersuchen müßten. Es scheint, daß die Amerikaner die ganze Welt für blöd halten. Einerseits behaupt sie, eine Liste der Mitglieder (des 17. November) zu haben, andererseits müssen sie 10 Millionen Griechen untersuchen.

Wenn ein einigermaßen ernsthafter Geheimdienst tatsächlich die DNA hätte, würde er anders damit umgehen. Er würde versuchen, auf einfache aber unauffällige Weise, z.B. nachts vom Auto des Verdächtigen Haare zu entnehmen, um nicht von besseren Methoden zu sprechen, und feststellen, wem die DNA gehört. Die Zahl der Verdächtigen ist ja so klein. Und so würden sie einen entscheidenden und großen Schritt tun, weil sie ja absolut sicher wären, daß der Verdächtige auch Mitglied ist. Sie würden alle Kräfte auf ihn konzentrieren, die besten Agenten, die besten Mittel, Beobachtung einsetzen und würden so zu anderen Mitgliedern gelangen und so einen entscheidenen Schlag gegen uns führen können.

Die neue Variante ist eine amerikanische Erfindung und hat nur ein einziges Ziel: der Intrige einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, damit geplante Verhaftungen sich nicht auf Stasi-Unterlagen stützen, sondern auf die neutrale Wissenschaft einer DNA-Untersuchung. Parallel dazu, durch die Manipulierung mit der Wissenschaft, öffnet sich der Boden für die willkürliche Verdächtigung eines jeden, da in diesem Fall außer den Beamten der Sicherheitskräfte niemand anders die Diskussion verfolgen und die biologischen Ergebnisse prüfen könnte.

Ein Beispiel dafür ist der politisch motivierte Freispruch in den USA eines berühmten Beschuldigten wegen zweier Morde, obwohl alle Indizien und Befunde zeigten, daß er der Schuldige ist. Wir fügen hinzu, daß die Amerikaner selbst ihre eigenen Machenschaften verleugnen. Wie kann also jemand glauben, daß das heutige Reich die sechs Monate, die es bis zum Clinton-Besuch hatte, nicht ausnützte, um den 17. November zu schlagen und es vorzog, eine antiamerikanische Aktion zu riskieren, welche, wie jeder verstehen wird, nicht stattgefunden hat.

Ist es möglich, daß sie es vorgezogen haben, ein verängstigtes Gesicht nicht nur in Griechenland, sondern vor der ganzen Welt zu zeigen, verängstigt vor einer möglichen Aktion des 17. November, trotz der Verschiebung des Clinton-Besuchs, trotz des Geschreis der amerikanischen Presse, der hunderten Agenten, mit Geräten letzter Technologie, mit der Unterdrückung, den Verkehrsverboten in Athen und den Demonstrationen, die alle gegen sie mobilisierten?

All dies stellt für uns einen Ehrentitel vom Reich dar, eine heiße Lobrede auf den 17. November, die Anerkennung und Versicherung der Richtigkeit seiner Ziele und seiner Aktivitäten und bestätigt, daß das einzige, was schmerzt, was es fürchtet und mit dem es ernst rechnet, der gerechte Volkswiderstand ist.