http://libcom.org/library/land-housing-sbu-zikode, 28.8.2008

Land und Wohnraum

Ansprache von S’bu Zikode 1 beim „Diakonia Council of Churches Economic Justice Forum” in Durban am 28. August 2008, in der er die Wohnsituation in Durban beschreibt und zu einer neuen Art eines basis- und radikaldemokratischen kommunistischen Projekts aufruft; er endet mit einem Vorschlag für 10 Forderungen um die Frage, wie eine vereinigte Front für eine demokratische und gerechte Stadt aufgebaut werden kann.

Ich wurde aufgefordert über die brennenden Fragen von Land und Wohnraum zu sprechen. Ich erhalte diese Einladungen nur wegen der Stärke der Bewegung, von der ich ein Teil bin, und deshalb danke ich im Namen von Abahlali baseMjondolo der Diakonie für diese Plattform.

Die Kirchen haben unseren Kampf in schwierigen Zeiten mit Demonstrationen unterstützt nach Feuern, nach Verhaftungen, nachdem wir geschlagen wurden. Wir wissen um die Rolle, die Kirchen in Brasilien und in Haiti gespielt haben, und wir glauben, dass die Kirchen die selbe Rolle hier spielen können, wenn sie die klare Entscheidung treffen wie einige Kirchenführer es bereits getan haben mit den Menschen zu sein, eindeutig an der Seite der Menschen zu stehen, anstatt weitere ‚Geschäftsinteressenten’ zu sein. Bischof Rubin Philip ist mutig bei der Politik der Armen geblieben und heute abend möchte ich sagen, dass wir ihm eine rasche und völlige Wiederherstellung nach seiner Krankheit wünschen.

Das Recht auf Land und das Recht auf Wohnraum sind immer noch große Probleme in Südafrika. Diese Probleme sind keine technischen, sie sind politische Probleme. Diese Probleme werden nicht durch Berichte von Beratern gelöst werden, durch akademische Konferenzen im Internationalen Konferenzzentrum und Treffen der Provinzkabinette in Suncoast. Diese Probleme werden gelöst werden, wenn die Menschen, die in diesem System nichts zählen, die Menschen, die keinen adäquaten Platz haben, es schaffen, aufzustehen und ihren Platz einnehmen, und als BürgerInnen dieses Landes wahrgenommen werden.

Unsere Politik beginnt bei der Anerkennung der Menschlichkeit jedes Menschen. Wir haben beschlossen, dass wir nicht länger nette Jungs und Mädchen sein werden, die still darauf warten, dass eines Tages ihre Menschlichkeit anerkannt wird. Wählen hat für uns nicht funktioniert. Wir haben bereits unseren Platz auf dem Land und in den Städten eingenommen, und wir haben diesen Platz gehalten. Wir haben weiters beschlossen, unseren Platz in allen Diskussionen einzunehmen, und zwar jetzt. Wir nehmen unseren Platz in bescheidener Weise ein, denn wir wissen, dass wir nicht alle Antworten kennen, dass niemand alle Antworten kennt. Unsere Politik besteht darin, die Dinge sorgfältig gemeinsam herauszuarbeiten, gemeinsam nach vorne zu gehen. Aber wenn wir auch unseren Platz bescheiden einnehmen, so doch fest. Wir erlauben dem Staat nicht, uns im Namen einer zukünftigen Revolution, die nicht kommt, ruhig zu stellen. Wir erlauben den NGOs nicht, uns im Namen eines zukünftigen Sozialismus, den sie nicht aufbauen können, ruhig zu stellen. Wir nehmen unseren Platz ein als Menschen, die genauso viel zählen wie alle anderen. Manchmal nehmen wir diesen Platz in den Straßen, mit Tränengas und Gummimunition. Manchmal nehmen wir diesen Platz in den Gerichten. Manchmal nehmen wir ihn in den Radios. Heute nacht nehmen wir ihn hier. Unsere Politik beginnt von den Plätzen ausgehend, die wir uns genommen haben. Wir nennen sie eine lebendige Politik, denn sie kommt von den Menschen und bleibt bei den Menschen. Sie ist unser und sie ist Teil unseres Lebens. Wir organisieren sie in unseren eigenen Sprachen und in unseren eigenen communities. Es ist die Politik unserer Leben. Sie wird daheim gemacht mit dem, was wir haben, und sie wird für uns und von uns gemacht. Wir haben genug davon, die Leitern für Politiker zu sein, damit diese über die Leute aufsteigen.

Manchmal ist es schwer, aber wir gehen weiter gemeinsam vorwärts. Manchmal wissen wir nicht mehr, was tun, aber wir denken weiter gemeinsam darüber nach. Manchmal bleibt eine Siedlung stark. Manchmal schafft es eine Siedlung nicht, stark zu bleiben. Aber wir gehen weiter gemeinsam vorwärts.

Heute nacht müssen wir über die Politik bezüglich Land sprechen. Wir müssen über die Politik bezüglich Wohnraum sprechen.

Wir müssen über die Politik bezüglich Feuer sprechen. Wir müssen über die Politik bezüglich Toiletten sprechen. Wir müssen über die Politik der Xenophobie sprechen und über die Politik der Vergewaltigung.

Um über all das nachzudenken, müssen wir dort beginnen, woher wir kommen.

Uns ist klargeworden, dass immer dann, wenn wir über Geschichte sprechen, wir als welche wahrgenommen werden, die eine Offensive beginnen. Uns ist klargeworden, dass dem so ist, weil die Reichen glauben möchten, wir seien arm, weil wir weniger sind als sie weniger intelligent, weniger verantwortungsbewusst, weniger sauber, weniger anständig. Wenn wir deshalb arm sind, weil wir weniger sind als die Reichen, dann müssen wir über jede Kleinigkeit, die uns gegeben wird, froh sein, wir müssen über einen Essenskorb froh sein oder über ein paar alte Kleidungsstücke, während unsere Kinder wegen der Ratten und der Feuer und des Drecks sterben.

Aber wir sind nicht arm, weil wir weniger sind als die Reichen. Wir sind arm, weil wir arm gemacht wurden. Die Reichen sind reich, weil sie reich gemacht wurden. Wenn Ihre Vorfahren das Land besaßen, werden Sie auf die Universität gehen und einen netten Job finden und sich gut um Ihre Familie kümmern können. Wenn Ihre Vorfahren ihr Land verloren haben, werden Sie froh sein, einen gefährlichen Job zu finden, den Sie hassen, damit Ihre Familie zumindest überleben kann.

Die wachsende Armut in ländlichen communities ermutigt vor allem junge Menschen, in die Städte zu übersiedeln. Deshalb ist die Verstädterung, solange die Städte in gleicher Weise wachsen wie die Armut, keine Ausnahme. Die Menschen werden weiterhin auf der Suche nach Hoffnung in die Städte ziehen. Diese Realität ruft alle städtischen Behörden dazu auf, zu lernen, die Städte zu teilen und dieses Wachstum zu akzeptieren. Es sind die gleichen armen Menschen, die Städte aufbauen, und dann rausgeworfen werden, um an Orten wie Parkgate zu verrotten, nachdem sie damit fertig geworden sind, etwas zu bauen, um ausländische Investitionen anzuziehen. Es sind die gleichen armen Menschen, die für die Reichen waschen und bügeln, die in den Baracken leben, wo es sehr schwierig ist, ihre Kleidung zu waschen und zu bügeln. Es sind die gleichen armen Menschen, die mutig die Häusser und die Geschäfte der Reichen bewachen, die, wenn sie heimkommen, ihre Häuser illegalerweise von den Kriminellen, die „Land Invasions Unit“ genannt werden, zerstört vorfinden.

Das ist falsch. Wir brauchen demokratische Städte. Wir brauchen faire Städte. Wir brauchen willkommen heißende Städte. Wir brauchen Städte für alle.

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eine neue Form von Kommunismus aufbauen können, eine neue Form des Zusammenseins. Einen lebendigen Kommunismus, der die menschliche Gleichheit jeder Person anerkennt, wo immer sie geboren wurde, woher immer ihre Vorfahren kamen, ob sie arm oder reich, Frau oder Mann ist. Dieses neue Zusammensein muss auch verstehen, dass die Welt, die uns von Gott gegeben wurde, von uns allen geteilt werden muss.

Das System, unter dem wir nun leiden, behält das Land in den Händen der Nachkommen derer, die es mit der Walze kolonialer Gewehre gestohlen haben. Das System verwandelt die vormals vertauenswürdigsten Führer in unseren Städten in Feinde. Die Feinde, die die Armen nicht nur hassen und vernachlässigen, sondern die Feinde, die die Polizei schicken, um die Armen zu schlagen, zu verhaften und sie zu erschießen, wann immer wir unsere Sorgen artikulieren. Heute erinnern wir uns an Mthokozisi Nkwanyana, einen Studenten und Barackenbewohner, der am Donnerstag letzter Woche bei einem StudentInnenprotest von der Polizei erschossen wurde. Das System spricht eine Menge über Demokratie, praktiziert aber keine Demokratie. Das System spricht eine Menge über all die Rechte, die Geschlechtergleichheit und Gerechtigkeit, es verwirklicht aber nichts von all dem. Das ist ein System, wo nahezu alles im Namen der Armen unternommen wird, aber nur, damit die Armen wieder und wieder betrogen und unterminiert werden. Das ist ein System, das es Formationen vieler Institutionen wie NGOs, NPOs, Unternehmern und Provinzen erlaubt, die Menschenrechte der Armen und der Marginalisierten in unserer Gesellschaft zu verletzen.

Wir müssen uns selbst fragen, was ist das für ein System?

Das ist ein System, in dem die Menschen in zwei geteilt werden diejenigen, die zählen und diejenigen, die nicht zählen. Diejenigen, die zählen, sind die mit Geld. Diejenigen, die nicht zählen, sind die ohne Geld. Dieses System bewertet Geschäftsprofite mehr als menschliche Werte. Dieses System verwandelt Demokratie in eine Methode, reicher zu werden. Geld wird gemacht, um menschliches Denken zu beherrschen. Deshalb müssen wir es vom Kopf auf die Füsse stellen und die Menschlichkeit voranstellen. Wir müssen immer beim Schlimmsten beginnen.

Was so falsch gelaufen ist in unserer Gesellschaft ist, dass Geschäftsprofite vor menschliche Werte gestellt werden. Was falsch gelaufen ist in unserer Gesellschaft ist das Denken, das Entwicklung bloss als die Arbeit einiger weniger cleverer Techniker begreift, von denen angenommen wird, sie dächten über die Entwicklung der Mehrheit nach. Basisorganisationen wie Abahlali baseMjondolo stehen in starker Opposition zu diesem top-down-Ansatz bezüglich Entwicklung, der in Menschen nicht mehr sieht als hilflose Individuen, die nicht für sich selbst denken können. Von diesem Gesichtspunkt aus besteht die Arbeit der Armen darin, dann zu wählen, wenn wir dazu aufgefordert werden, und passive EmpfängerInnen von Hilfsliederungen zu sein. Deshalb möchten die sogenannten Experten der Armut und unserer Kämpfe unsere Proteste immer als ‚Proteste um Hilfslieferungen’ bezeichnen, sogar wenn wir klipp und klar feststellen, wofür wir kämpfen.

Wir sind die Menschen, die nicht denken sollen. Wir sind die Menschen, die nicht an der Planung und den Debatten um die Punkte, die uns betreffen, teilnehmen sollen. Wir sind die Menschen, die froh sein sollten, von Hilfslieferungen zu leben. Die Armen stehen in starker Opposition zu diesen die Menschlichkeit entstellenden Charakteristiken des top-down-Systems, das unsere communities und unsere Leben terrorisiert.

Abahlali hat immer wieder gesagt, dass die Mehrheit der Menschen an eine echte Demokratie glaubt, eine Demokratie, die sich um jedes Kind, jedeN AlteN daheim kümmert, eine Demokratie, die die Menschen nicht unterschiedlich betrachtet, eine Demokratie, die nicht einige wenige Menschen besser macht als die Mehrheit, eine Demokratie, die nicht vom Wohlstand getrieben wird, der unsere Gesellschaft gespalten hat. Wir glauben an eine partizipatorische Entwicklung der Menschen, für die Menschen und von den Menschen selbst. Wir sind besorgt darüber, dass die meisten Häuser, die gebaut werden, zwar für die Menschen gebaut werden, aber ohne sie. Deshalb akzeptieren einige Menschen widerwillig diese Häuser, die sie dann entweder vermieten oder an verzweifelte MitbürgerInnen weiterverkaufen und dann in ihre Baracken zurückkehren. Das ist keine Angelegenheit der Polizei und der NIA. Der Grund dafür ist nicht, dass BarackenbewohnerInnen nicht denken können oder blöd sind. Es liegt am Versagen der Behörden, die BarackenbewohnerInnen nicht nur in die Planung, sondern von Anfang an in die Identifizierung mit dem Projekt einzubeziehen, in die Durchführung, deren Überwachung und die Evaluierung des Standortes in den gesamten Zyklus des Projekts. Wenn Sie Menschen aus ihren communities rausholen, machmal mit Waffengewalt, und sie auf ländliche Müllhalden bringen, wo es keine Arbeit gibt, werden sie dort nicht bleiben. Die Menschen müssen überleben. Wir möchten klar verständlich machen, dass der bottom-up-Zugang zu Entwicklung, der ein angemessenes menschliches Leben anerkennt, das ist, was die Mehrheit der Armen bevorzugt. Deshalb sind Kommunikation und Konsultation lebensnotwendig, wenn die Behörden es ernst meinen und diejenigen, die sie ‚Begünstigte’ nennen, respektieren würden.

Es ist sehr traurig, dass einige Geschäftsleute, wie Ricky Govender in Motala Heights ihre communities bei der Suche nach Land, um ihre Geschäfte und ihren Wohlstand ausdehnen zu können, terrorisiert haben. In Motala Heights wurde die Führung der Siedlung und alteingessene Familien die Anwälte und Gerichte rauf und runter gewzungen, um ihr Recht, nicht von ihrem Land geräumt zu werden, zu verteidigen. Genauso verhält es sich mit der community von eNkwalini, die ständig vom Farmer, der gerade die Farm in Nord-KwaZulu-Natal gekauft hat, mit Räumung bedroht wird. Was all die Räumungen, die in eThekwini stattfinden, noch schlimmer macht, ist, dass sie nicht nur illegal sind, weil sie ohne Gerichtsbeschluss durchgeführt werden, sie sind noch dazu kriminell. Wir mussten die Polizei und die Stadtverwaltung mehrmals auf Artikel 26 der südafrikanischen Verfassung aufmerksam machen und auf das Gesetz zur Verhinderung illegaler Besetzung von Land, das die Obdachlosen, die Armen und die verwundbarsten Mitglieder unserer Gesellschaft, Kinder und Frauen, schützt. Abahlali baseMjondolo hat es geschafft, die meisten Räumungen in eThekwini in Siedlungen wie Motala Heights, Shannon Drive, Pemary Ridge und Arnett Drive, um nur einige zu nennen, zu verhindern. Aber während wir am Obersten Gericht am Dienstag einen wichtigen Sieg gegen Räumungen in Arnett Drive erringen, zerstört gleichzeitig die Stadtveraltung draußen illegalerweise Baracken in Siyanda! Wenn bereits das Recht von den Behörden nicht respektiert wird, dann ist es schwer vorstellbar, wie andere, neue Gesetze wie das bekannte KwaZulu-Natal Elimination and Prevention-Gesetz angewandt werden werden.

Es ist sehr schade, dass manche AkademikerInnen und NGOs weiterhin glauben, dass es ihr natürliches Recht sei, anstatt die Kämpfe der Armen zu unterstützen, sie zu dominieren. Wir haben jahrelang still gehalten, aber jetzt müssen wir sagen, dass es klar ist, dass am Zentrum für Zivilgesellschaft die Arbeit der Intellektuellen darin besteht, unsere Intelligenz zu messen, indem sie unsere Intelligenz untergraben. Sie versuchen, Individuen zu kaufen, unsere GenossInnen einzuschüchtern und erzählen die schlimmsten Lügen, um zu zeigen, dass wir zu dumm sind, um unsere eigenen Kämpfe zu überdenken. Sie schaffen es nicht zu verstehen, dass wir die Armen sind, nicht die Deppen. Das ist ihre Politik.

Die BarackenbewohnerInnen glauben, dass Land und Wohnraum in den Städten eine sicherere Umwelt mit sich bringen, eine Umwelt, die frei ist von Barackenfeuern, eine Umwelt, die frei ist von Ratten, Vergewaltigungen und Verbrechen, wenn unsere Kinder und Frauen Wasser und Toiletten im Busch suchen müssen. Würden wir die Sorge um unsere Städte ernst meinen, dann wäre der erste Schritt, dass wir das menschliche Leben und die menschliche Würde respektieren. Mnikelo Ndabankulu, eine SprecherIn von Abahlali baseMjondolo, sagt oft, dass ‚wir keinen Strom brauchen, unser Leben braucht den Strom’. Unsere Siedlungen sind keine temporären. Einige von uns leben ihr ganzes Leben dort. Unsere Kinder wachsen dort auf. Strom, Wasser und sanitäre Anlagen können den BarackenbewohnerInnen nicht länger vorenthalten werden. Die Stadtverwaltung von eThekwini hat uns oft erklärt, dass Geld nicht das Problem ist, sondern das Problem ist das Land. Aber das Problem war nie bloss, dass es in den Städten kein Land gibt, wie uns oft erklärt wurde. Das politische Problem ist, dass das Land von Unternehmen wie Tongaat-Hulett in Privatbesitz genommen wurde. Dieses Problem kann gelöst werden, aber das würde die Anerkennung der Menschlichkeit jeder/s einzelnen voraussetzen, und die Menschlichkeit wurde niemals als allererstes anerkannt. Denn diese Stadt betrachtet arm sein, in einer Baracke zu leben oder auf der Straße zu verkaufen als Verbrechen. Ehe das geändert wird, werden die Armen immer als Störenfriede betrachtet werden, wo sie in Wirklichkeit von positivem Denken ausgeschlossen werden, das dazu beitragen könnte, eine fürsorgliche Stadt zu errichten. Eine Stadt, in der jedeR eine Stimme und die gleichen Möglichkeiten hat, die Stadt in eine fürsorgliche umzubauen.

Einer der größten Fehler bei der Planung der Stadtentwicklung ist es, wenn die Stadt keine grundlegenden Dienstleistungen zur Verfügung stellt, die für menschliche Leben unabdingbar sind. Ich spreche über Dienstleistungen wie unzureichenden Zugang zu Wasser, zu wenig Toiletten, nicht ausreichende Müllentsorgung, weil es keine Straßen ins Innere der Barackensiedlungen gibt. Die Auswirkungen dieses Vorenthaltens von Dienstleistungen sind sehr ernst. Ohne Müllabfuhr gibt es Rattenbisse und Krankheiten. Ohne Strom gibt es Feuersbrünste in den Siedlungen. Wer sonst ist verantwortlich dafür, dass wir immer noch ohne diese das Leben sichernden Dienstleistungen leben, als diejenigen, die die Öffentlichkeit in der Regierung zu vertreten haben? Wir haben erlebt, dass die Behörden mit kindischen Behauptungen, dass die BarackenbewohnerInnen dreckig oder faul seien, oder dass wir nicht aus diesen miesen Bedingungen wegziehen möchten, die Armen selbst dafür verantwortlich machen. Sie sagen in der Zeitung, dass „Zikode die Menschen erziehen muss“, als wären Menschen, die in Baracken leben, blöd und als würden sie alle einem einfachen Menschen wie Zikode nachlaufen. Ich möchte ganz klar machen, dass wir eine demokratische Politik aufgebaut haben, und dass unsere Siedlungen viel zu gut organisiert sind, um von den Gedanken eines Mannes wie Zikode kontrolliert werden zu können. Zikode muss seine eigenen Kinder erziehen, wie alle anderen verantwortungsbewussten Eltern, die sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen. Aber Zikode erzieht nicht die Menschen, die ihn gewählt haben, damit er da und dort für sie spricht. Tatsächlich wird Zikode jeden Tag von dem Leiden und dem Mut und der Intelligenz der Menschen, die ihn gewählt haben, erzogen. Deshalb ist es äußerst respektlos zu sagen, dass ältere Menschen zu Paraffinöfen oder Kerzen erzogen werden müssen. Die Lösung für die Feuer ist nicht Erziehung. Die Lösung für die Feuer ist, dass in allen Siedlungen Strom zur Verfügung gestellt wird. Strom ist kein Luxus. Er wird benötigt, damit mensch sicher leben kann. Wir können an diesem Punkt keinen Kompromiss eingehen. Ich hoffe, heute nacht stimmen wir alle darin überein, dass die Siedlungen elektrifiziert werden müssen.

Abahlalis Bedenken wegen der Barackenfeuer, die unsere communities terrorisieren, haben diese Bewegung veranlasst, alle Siedlungen aufzurufen, diese Frage offen zu diskutieren und jeder Barackensiedlung zu erlauben, auszusprechen, was sie für eine Lösung hält. Wir haben zu einem Treffen der ganzen Stadt wegen Barackenfeuern aufgerufen, an dem alle teilnehmen werden, die sich Sorgen um das Leben unserer Leute machen, seien es Behörden, fortschrittliche NGOs, Kirchen, Individuen etc. Wir glauben, dass alles, was in Zusammenhang mit den BarackenbewohnerInnen als Problem bestrachtet wird, von und mit den BarackenbewohnerInnen selbst gelöst werden kann. Deshalb glaubt Abahlali, dass der Punkt von Land und Wohnraum nicht nur ein Punkt für TechnikerInnen und die Regierung ist, sondern für alle, die davon einen Nutzen haben sollen.

Das Treffen wegen der Barackenfeuer wird am Montag, 22. September 2008 abgehalten werden. Am Tag davor, dem 21. September, werden wir ein Massengebet für alle BarackenbewohnerInnen, die in den Feuern umgekommen sind, abhalten.

Die Menschen sind oft verwirrt darüber, wofür unsere Bewegung steht, wenn es um Land und Wohnraum geht. Heute nacht möchte ich eine Liste mit 10 Forderungen für eine vereinigte Front für Land und Wohnraum vorschlagen. Diese Forderungen könnte als Beginn einer Diskussion in unserer Bewegung verwendet werden. Wir wären sehr glücklich, wenn Sie sie in Ihren eigenen Organisationen diskutieren würden, damit wir gemeinsam damit beginnen können, eine neue Vision für unsere Städte zu entwickeln.

1. Es darf keine weiteren Räumungen geben.

2. Lebensnotwendige Dienstleistungen, darunter Strom, Wasser, Müllabfuhr und Toiletten, müssen allen Siedlungen zur Verfügung gestellt werden.

3. Das Land, auf dem die Siedlungen gegründet wurden, muss in das kollektive Eigentum der Menschen übergehen, die in jeder Siedlung leben.

4. Die Siedlungen müssen dort, wo sie sind, verbessert werden, wo immer das möglich ist.

5. Wenn Menschen umgesiedelt werden müssen, muss ihnen die Möglichkeit eingeräumt werden, auf gut gelegenes Land zu übersiedeln.

6. Das Land von Tongaat-Hullet muss enteignet werden, damit die Armen Platz zum Wohnen haben.

7. Es darf keine Zwangsräumungen mehr geben. Die Menschen dürfen nur auf Basis von Freiwilligkeit umgesiedelt werden.

8. Die Regierung muss mit den Organisationen, die jede Siedlung vertreten, verhandeln, und nicht mit den Stadträten.

9. BarackenbewohnerInnen haben das Recht, mit der Regierung nicht übereinzustimmen.

10. BarackenbewohnerInnen haben das Recht, sich selbst außerhalb der politischen Parteien zu organisieren.

Wir haben darum gebeten, dass Menschen mit uns sprechen, nicht für uns. Wir haben darum ersucht, dass Menschen mit uns arbeiten, nicht für uns. Wir haben darum ersucht, dass Menschen mit uns denken, nicht für uns. Wir haben darum gebeten, dass Menschen verstehen, dass unsere Bewegung immer ihren Mitgliedern gehören wird, und niemals irgendeiner NGO oder einer politischen Partei. Wir haben ersucht, dass Menschen verstehen, dass wir lebendige Solidarität brauchen, eine Solidarität, die in Partnerschaft mit unserer lebendigen Politik aufgebaut wird, eine Solidarität, die um das tatsächliche, tägliche Leiden und die Kämpfe unserer Leute aufgebaut wird. Ich danke der Diakonie für die Einladung hier zu sprechen. Ich danke den Kirchen für ihre mutige Unterstützung während schwieriger Zeiten unseres Kampfes. Ich lade alle hier ein, daran zu arbeiten, eine Partnerschaft für eine demokratische Stadt zu bilden, mit uns und mit allen demokratischen Organisationen der Armen. Ich lade Sie alle ein, zu unserem Treffen wegen der Barackenfeuer zu kommen. Vielleicht können wir dort beginnen. Wir werden sehen.

Anmerkung

1 S’bu Zikode ist der gewählte Präsident von Abahlali baseMjondolo.