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Die brutale Geschichte der südafrikanischen Platin-Industrie

Gavin Capps betrachtet, wie Platin zu einer zentralen Bühne in der südafrikanischen Minenindustrie wurde und wie die ArbeiterInnen die Kosten dafür bezahlt haben.

Platinminen sind ein wichtiger Teil der südafrikanischen Ökonomie. Südafrika beherbergt 88% der Weltreserven an Platin und ist verantwortlich für über 3/4 der weltweiten Platinproduktion.

Im Boom der zwischen 1994 und 2009 wuchs die Industrie um 67%, was sie zum größten Bestandteil des Minensektors des Landes machte.

In dieser Zeit gab es eine Welle von Expansionen und Investments in Minen, darunter in die britische Lonmin, die Eigentümerin der Mine ist, die im Zentrum des Kampfes steht.

Während Gold langfristig wegen der Schwierigkeiten bei der Förderung der verbliebenen Reserven am absteigenden Ast ist, wurde Platin der Angelpunkt um die Zukunft der südafrikanischen Minenindustrie.

Die ANC-Regierung hat die Minenindustrie als zentral für ihre neue, Ressourcen-basierende Entwicklungsstrategie definiert.

Jedenfalls wurden diese Pläne von der globalen Krise schwer getroffen und in den letzten Jahren gab es einen dramatischen Verfall der Platinpreise. Das frühere Gedränge bei der Expansion hat nun zu einer Situation globalen Überangebots geführt.

Druck

Zur selben Zeit senken steigender Lohndruck sowie Strom- und Transportkosten auf die Profite. Das hat dazu geführt, dass kleinere Produzenten wie Aquarius zeitweilig ihre Minen geschlossen haben. Alle big players kürzen radikal ihre Investitionspläne.

Anglo Platinum die alleine 60% der Welt-Platinproduktion ausmachen wurden teilweise schwer getroffen. Es wurde über einen Bericht von 20 Millionen britischen Pfund im ersten Halbjahr 2012 berichtet. Lonmin wiederum hat seine geplanten Ausgaben für die nächsten beiden Jahre von 285 auf 160 Millionen britische Pfund gekürzt.

Nun wird die südafrikanische herrschende Klasse von Panik gepackt angesichts der ArbeiterInnenmilitanz. Vor allem fürchtet sie das Anwachsen der Association of Mineworkers and Construction Union (AMCU) und deren Macht, die Produktion stillzulegen.

Gleichzeitig ist sie besorgt wegen dem Verlust an Kontrolle durch die etablierte National Union of Mineworkers (NUM).

Diese Gewerkschaft war zentral bei der Eindämmung und dem Umleiten der Kämpfe, seit sie sich eng mit dem management verbandelt hat. Seit 1994 hat sie praktisch für die Regierung gearbeitet.

Ein militanter Streik wie in der Impala Platinum-Mine im Jänner hat das Muster vorgegeben. Er dauerte sechs Wochen lang, kostete Impala 180 Millionen britische Pfund und verhinderte nahezu die Hälfte des nationalen Platinproduktions-Ausstoßes.

Dieser Streik brachte ein jähes Anwachsen der AMCU in anderen Minen, darunter Lonmin, was die Bosse ebenso in Schrecken versetzt wie den ANC und NUM.

Die schändliche Geschichte von Lonrho

Lonmin ist das umbenannte britische Unternehmen Lonrho. Der Namenswechsel versteckt eine selbst für eine so brutale Industrie wie die Minenindustrie schändliche Geschichte. Das Unternehmen wurde ursprünglich 1909 gegründet, um Schürfrechte im damals sogenannten Rhodesien zu erwerben.

Sogar der britische Tory-Premierminister Edward Heath nannte 1973 den Chef von Lonrho, Tiny Rowland „das inakzeptable Gesicht des Kapitalismus“.

Das war in Zusammenhang mit angeblichen Steuerhinterziehungen, Bestechungen afrikanischer Führer und dem Bruch von UN-Sanktionen gegen das rassistische Regime in Rhodesien.

Die goldene Tradition des ArbeiterInnenkampfes

Seit im 19. Jahrhundert in Südafrika Gold gefunden wurde, starben über 80.000 MinenarbeiterInnen bei vermeidbaren Unfällen. Aber mit dieser Brutalität ging eine lange Geschichte von Militanz einher.

Die gegenwärtige NUM bezog ihre Stärke zuerst aus Streiks in den Goldminen unter dem Apartheid-Regime 1975. Sie war systematischer Unterdrückung ausgesetzt.

1986 starben 177 MinenarbeiterInnen bei einem Unfall, der durch Kostensenkung verursacht worden war. Über 300.000 MinenarbeiterInnen streikten daraufhin einen Tag lang. Und 1987 streikten 330.000 MinenarbeiterInnen 21 Tage lang und stellten so die Macht der schwarzen ArbeiterInnenklasse in Südafrika unter Beweis.