Die wichtigsten verwendeten Quellen für die Zentralafrikanische Republik: Le Monde diplomatique (monde-diplomatique.de); Universität Hamburg, Department Sozialwissenschaften (sozialwiss.uni-hamburg.de); IRIN humanitarian news and analysis, UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (irinnews.org); für den Niger: tag (tag.de); anti atom aktuell (anti-atom-aktuell.de); Konrad Adenauer Stiftung (kas.de); für Mali: Reuters AlertNet, Alerting humanitarians to emergencies (altertnet.org); tuaregs.free.fr

Kampf um Zentralafrika

Afrika ist alles andere als der sogenannte „vergessene Kontinent“. In den Vorstandsetagen der österreichischen OMV , der französischen COGEMA , der deutschen Ruhrkohle AG , der chinesischen Uranfirma Sino-U , der malaysischen Petronal , der kanadischen Talisman Energy , der schwedischen Lundin Oil und unzähligen anderen Unternehmen ist der Kontinent wohlbekannt, werden täglich neue Landkarten Afrikas gezeichnet.

Landkarten, die den Anteil, das „claim“ der jeweiligen Konzerne am natürlichen Reichtum Zentralafrikas abstecken. Am Coltan im Kongo, dem Uran im Niger, dem Öl im Tschad, Sudan, der gesamten Sahara-Sahel-Region. Karten, die die Landesgrenzen dieser Staaten ebenso negieren wie die Lebensbedingungen der Menschen in diesen Ländern. Da wird an neuen Verbindungen gefeilt, Übernahme des Ölfeldes X, Übernahme der „Befreiungsbewegung“ Y, Übernahme der „legitimen Staatsmacht“ in Z.

Der Kontinent Afrika wird zur Zeit wieder aufgeteilt unter den großen Räubern dieser Erde, nachdem er bereits mehrmals aufgeteilt worden ist. Die letzte große Aufteilung am Ende des 19. Jahrhunderts brachte u.a. Grossbritannien , Frankreich , Deutschland , Belgien in den Besitz des Kontinents, nun wollen auch die USA und China ihren Anteil haben, und auch Indien bemüht sich zunehmend darum, seinen Bedarf an Bodenschätzen in Afrika zu decken. Österreich darf, wie bei der derzeitigen Besatzung des Tschad, da nicht abseits stehen.

So wie die Menschen Afrikas ihrer Bodenschätze beraubt werden, so werden sie ihrer täglichen Lebensgrundlage beraubt. Die EU hat Subventionierungen für Agrarprodukte drastisch reduziert, aber sie nicht die Exportstützungen. Deshalb werden Lebensmittel in großem Umfang von Europa nach Afrika gebracht während etwa in den riesigen Treibhausplantagen Almerias in Spanien afrikanische ArbeiterInnen unter den allermiesesten Bedingungen diese Lebensmittel produzieren und damit die heimische Landwirtschaft zerstört. Spanische Tomaten sind heute in Afrika billiger als selbst produzierte.

Neben diesen „mörderischen“ Lebensmitteln liefern die USA und die EU High-Tech nach Afrika, und zwar in Form von Sondermüllexporten (siehe dazu ausführlicher den Beitrag über High-Tech-Schrott), und nebenbei auch Sondermüll jeglicher Art. Dieser Müll vergiftet die Menschen ebenso wie der Abbau der Rohstoffe, etwa in den Uranminen, oder ihr Transport, wie der des Erdöls in Pipelines, die durch Regenwald führen. Damit wird nicht nur in Kauf genommen, dass undichte Stellen den Wald vergiften, die begleitenden Strassen neben den Pipelines schaffen ein Einfallstor für Abenteurer aller Art, die den Wald zerstören und der einheimischen Bevölkerung (in Kamerun z.B. Pygmäen) die Lebensgrundlagen entziehen.

Das koloniale Erbe Afrikas besteht in immer neuen Bürgerkriegen, Putschen, Aufständen in den am Reissbrett festgelegten Nationalstaaten, die deshalb oft staatenübergreifend verlaufen. Die sogenannte „Unabhängigkeit“ wurde von den ehemaligen Kolonialherren immer sabotiert, durch Morde an tatsächlich unabhängigen nationalen Führern ( Lumumba im Kongo) oder in „Ungnade“ gefallenen Bütteln ( Mobutu im Kongo), durch indirekte und direkte Intervention und Einsetzung genehmer „Präsidenten“. Im Kampf um die Vorherrschaft schüren die imperialistischen Mächte lokale Kriege; Frankreich spielt seine traditionell mörderische Rolle in Afrika, dazu gesellen sich nun als größte Mächte die USA und China. Die Gangart verschärft sich. Neben den Rohstoffen geht es auch um Militärbasen, um die „Befriedung“ der rohstoffreichen Gebiete, um ungestörten Raub betreiben zu können.

Die Stationierung von Truppen aus imperialistischen Ländern läuft unter zweifachem Deckmantel. Einerseits werden sogenannte „ humanitäre Maßnahmen “ vorgeschoben, das bekannteste Beispiel dafür ist derzeit der Tschad; andererseits wird der „ Kampf gegen den Terror “ auch in Afrika verstärkt geführt. Letztlich finden wir aber die Truppen genau dort, wo die Konzerne ihr Geschäft zu machen gedenken.

Drei spotlights in diesem Beitrag sollen das veranschaulichen. Anhand der Zentralafrikanischen Republik zeigen wir die anhaltende Einmischung Frankreichs als Militärmacht ; der Niger dient als Beispiel für die Ausplünderung der Rohstoffe Afrikas durch imperialistische Mächte; in Mali suchen wir nach Beispielen für Widerstand gegen diese Einmischungen. Diese drei Länder sind relativ willkürlich ausgewählt, Hintergrund ist die aktuelle Einmischung (auch) Österreichs im Tschad, die alles andere als eine „humanitäre Aktion“ darstellt. Vielmehr bringen diejenigen Staaten, deren Konzerne (in diesem Fall die OMV) die Rohstoffe der Sahara plündern, ihre Truppen in Stellung, um diese Ausplünderung möglichst ungestört durchführen zu können. Die Mechanismen, die wir anhand dieser drei Staaten beschreiben, sind aber allgemeingültig für das Verhältnis der Imperialisten zu Afrika. Abschließend werfen wir einen kurzen Blick auf die neuen Mitspieler bei der Ausplünderung des afrikanischen Kontinents, die USA und China.

Das Jahr 1960 wird in den Geschichtsbüchern als das Jahr der Befreiung Afrikas aus dem Kolonialismus bezeichnet. Ein Blick auf die Geschichte eines beliebigen afrikanischen Landes zeigt, dass diese Befreiung nicht stattgefunden hat.

Zentralafrikanische Republik

Entkolonialisierung heißt fortwährende Einmischung

Die Geschichte der französischen Einmischung in Ubangi Chari , der späteren Zentralafrikanischen Republik ( ZAR ), beginnt lange vor Gründung der ZAR. Die 1889 von Frankreich gegründete, erste französische Stadt in der Gegend, Bangui , ist bis heute Hauptstadt der ZAR. Vor dieser Gründung lieferte sich die französische Armee blutige Kämpfe mit den BewohnerInnen dieses Gebiets.

Das Jahr 1960 markiert auch für die ZAR die „Unabhängigkeit“, und hier zeigt sich die ganze Farce der sogenannten Entkolonialisierung. Zu keinem Zeitpunkt war Frankreich an einer unabhängigen ZAR interessiert, war an nahezu allen Ein- und Absetzungen von Präsidenten sowie Putschen diverser Rivalen beteiligt.

Der Gründer der ZAR, Barthélémy Boganda , stirbt bereits 1959, vor der formellen Unabhängigkeit des Landes. Erster Präsident wird 1960 David Dacko , er schließt auch gleich ein „Verteidigungsabkommen“ mit den gestrigen Kolonialherren. Dieses sieht vor, dass die französische Armee bei einem Angriff aus dem Ausland zugunsten der ZAR zu intervenieren hat. Tatsächlich sichert sich Frankreich so den jederzeitigen Zugriff auf die einstige Kolonie, hat nahezu permanent Truppen im Land stationiert und betreibt mehrere Militärbasen in der ZAR, darunter eine in der Hauptstadt.

Einen ersten Eindruck dieses Abkommens erhalten die BewohnerInnen des Landes, als 1978 französische Truppen einen separatistischen Aufstand in Kolzewi niederschlagen, und somit in eine interne Auseinandersetzung im Land eingreifen. Im Jahr darauf stürzt die französische Armee den selbsternannten „Kaiser“ Jean-Bedel Bokassa . Bokassa war seinen Herren zu unsicher geworden, obwohl er wie sich zwei Jahre später herausstellte französische Politiker mit Diamanten beschenkt hatte. Um diese Affäre zu vertuschen, musste er „abtreten“. Den Hintergrund für diese Bestechungsaffäre bildeten die Geschäfte diverser französischer Unternehmen im Land, die den Gold-, Diamanten-, aber auch Holz- und Gummihandel kontrollierten. Selbstverständlich änderte der Sturz Bokassas nichts an deren Geschäftspraktiken.

Marionetten tanzen

Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt vom Machtkampf dreier Fraktionen innerhalb der ZAR André Kolingba , Francois Bozizé und Ange-Félix Patassé sowie den französischen Machthabern im Hintergrund, die diese Fraktionen gegeneinander ausspielen.

1981 putscht sich André Kolingba an die Macht. Gegen ihn tritt Francois Bozizé an, der ihn zwei Jahre später zu stürzen versucht. Schließlich einigt man sich 1993 auf Wahlen, zu denen neben Kolingba und Bozizé auch Ange-Félix Patassé antritt, der schließlich zum Präsidenten gewählt wird. Drei Jahre später meutern Truppeneinheiten in der Hauptstadt, und wieder sind die französischen Soldaten da, um den Präsidenten zu schützen. Im Jahr 1996 versucht Kolingba gleich drei Putsche gegen die Regierung Patassé, die alle von französischen Truppen vereitelt werden.

In den Jahren 1997/98 zieht Frankreich endlich seine Truppen aus ZAR ab und die französischen Militärbasen in Bangui und Bouar werden geschlossen. Doch dieser Zustand ist vorübergehend. Nach einem Putschversuch Kolingbas, bei dem Libyen den Retter des Präsidenten spielt, mischt sich Frankreich wieder ein. Im Rahmen der „Operation Boali“ werden neue Militärbasen eingerichtet, französische Spezialeinheiten in die ZAR verlegt und multinationale Truppen der „ Wirtschaftsgemeinschaft der Zentralafrikanischen Staaten “ stationiert. Die CEMAC, Communauté Économique et Monétaire des États d‘Afrique Centrale , erweist sich tatsächlich als ein Instrument der fortwährenden Einmischung Frankreichs in der gesamten Region. Heute stehen 200 französische Fallschirmjäger in der ZAR im Einsatz. Die CEMAC-Truppen kontrollieren die Grenzregion zum Tschad .

2001 ziehen multinationale Truppen, darunter auch 200 Libyer, in Bangui ein. General Bozizé wird wegen seiner angeblichen Beteiligung am Putschversuch im Mai dieses Jahres entlassen und flieht in den Tschad.

In der Hauptstadt ist die Lage angespannt, Soldaten und Angestellte des öffentlichen Dienstes haben seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen, die Gewerkschaften streiken. Vor diesem Hintergrund bereitet Bozizé den nächsten Putschversuch vom Tschad aus vor. Am 25.10.2002 beginnen die Kämpfe im Südwesten der Hauptstadt und am Flughafen. Während der Anführer sich in Paris aufhält, können libysche Truppen und Einheiten der MLC die Aufständischen aus dem Stadtgebiet vertreiben. Die MLC („ Bewegung zur Befreiung des Kongo “) wurde 1998 von dem Millionärssohn Jean-Pierre Bemba Gombo gegründet. Bemba ist mit der Familie des früheren Diktators des Kongo , Mobutu Sese Seko , verwandt, die MLC kämpfte im Kongo gegen Laurent-Désire Kabila und kontrollierte zeitweise ein Drittel des Landes. Ihr werden sowohl im Kongo als auch in der ZAR Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Mindestens 105 Menschen kommen bei den Kämpfen in Bangui ums Leben, 50.000 BewohnerInnen fliehen aus der Stadt, und kehren wegen der von den Putschisten gelegten Minen nur langsam zurück. Die andauernden Kämpfe verschlechtern die Versorgungslage, und in Bangui und Umgebung kommt es zu Lebensmittelengpässen.

Bei ihrem Rückzug aus Bangui besetzen die Rebellen, unter denen sich auch tschadische Staatsangehörige befinden, Städte im Norden und Westen des Landes, gegen die nun die MLC-Truppen, 3.000 Mann stark, ausrücken. Libyen zieht seine Truppen aus der ZAR ab, sie werden durch Truppen der CEMAC ersetzt. Sie sind aber zu schwach, um die Grenzen zum Tschad zu kontrollieren.

Dann geht alles sehr rasch. Während sich Präsident Patassé auf einer Konferenz im Ausland befindet, erobern die Rebellen am 15. März 2003 die Hauptstadt, und Bozizé übernimmt die Macht. Seine Truppen stoßen kaum auf Widerstand, weil die Regierungssoldaten wegen der ausstehenden Soldzahlungen nicht daran denken, Widerstand zu leisten.

Bozizé macht sich bei der Bevölkerung mit seinem Versprechen, Präsidentenwahlen abzuhalten, sowie einer von ihm eingesetzten Übergangsregierung, an der Gruppen der Zivilgesellschaft beteiligt werden, rasch beliebt. Selbst die Partei des gestürzten Kolingba beteiligt sich an dieser Regierung. Nach siebenmonatigem Streik öffnen die Schulen wieder ihre Tore. Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage kommt es aber zu ausgedehnten Plünderungen vor allem der ehemaligen Regierungsgebäude, Ministerien sowie Läden und Häuser von Ausländern im ganzen Land. Anhänger Bozizés entziehen sich einer Entwaffnung und beginnen damit, im Norden des Landes, den diverse Hilfsorganisationen inzwischen verlassen haben, die ansässige Bevölkerung zu terrorisieren. Wiederum greifen CEMAC-Truppen ein.

Im Jahr 2005 wird Bozizé schließlich zum Präsident gewählt. Sofort bildet sich gegen ihn eine bewaffnete Opposition, bestehend aus drei Gruppen, die sich zur „ Union demokratischer Kräfte für die Sammlung “ ( UFDR ) nennt. Damit geht der Krieg in der ZAR, vor allem im Norden des Landes, weiter. Vor allem die Präsidententruppe ist für ihre Brutalität berüchtigt. Im März 2006 enthauptet sie einen Lehrer in Bémal , in einem Dorf im Norden richtet sie ein Massaker an, bei dem 30 Menschen ums Leben kommen. Das Ganze läuft natürlich unter dem Titel der „Aufstandsbekämpfung“.

Im März 2007 intervenieren französische Truppen in Birao und vertreiben die Anhänger von General Zakaria , einem Aufständischen. Bei den Kämpfen in Birao werden 70% der Häuser niedergebrannt und/oder geplündert, fast alle BewohnerInnen fliehen aus der Stadt.

Inzwischen geht der Präsident, Bozizé, auf Distanz zu Frankreich. Im März 2007 unterzeichnet er mit dem südafrikanischen Präsidenten Mbeki ein Abkommen über den Wiederaufbau der Präsidentengarde, 30 Ausbildner werden aus Südafrika in die ZAR geschickt. Im April verkündet Bozizé die Privatisierung des Erdölsektors, womit die französische Total AG ihre Exklusivrechte zur Ausbeutung der Ölvorkommen im Land verliert. Die französische Firma COGEMA-AREVA muss ab sofort für ihre Schürfrechte in der Uranmine Bakouma bezahlen. Und Bozizé besucht den im Westen verhassten Präsidenten des Sudan , Omar al-Baschir , gegen den erklärten Widerstand Frankreichs. Weiters werden chinesische Firmen ins Land geholt, und China baut in Bangui ein neues Stadion für 30.000 BesucherInnen. Im Juli 2007 werden die französischen Truppen ein weiteres Mal aus der ZAR abgezogen.

Bandenkrieg

Die Kämpfe in Birao geben einigen Aufschluss über die Kriegsführung in Zentralafrika, also auch im Tschad. Zum einen sind die Rebellenbewegungen alles andere als einheitlich . Während die einen den politischen Kampf gegen die Regierung Bozizé und für Patassé führen, verfolgen andere rein ökonomische Ziele. Und wo da der Unterschied liegt, ist auch oftmals nicht so klar.

Der ehemalige Repräsentant der UFDR, Abdoulaye Miskine , etwa, war unter Präsident Patassé Offizier in der Armee der ZAR. Er soll für das sogenannte „Massaker vom Schweinemarkt“ in Bangui im Oktober 2002 verantwortlich sein. Das hinderte Präsident Bozizé nicht daran, im Februar 2007 mit ihm ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, nachdem die Rebellen im November 2006 Birao angegriffen hatten. Ein Monat hatte es gedauert, ehe die Armee der ZAR die Rebellen in den Tschad und Sudan abdrängte, wobei sie von in Bangui stationierten französischen Truppen und von im Tschad stationierten französischen Mirage F-1-Kampfflugzeugen unterstützt wurde.

Allerdings wurde Miskine daraufhin von Damane Zakaria als Chef der UFDR abgelöst, der das Abkommen aufkündigte und mit einem weiteren Angriff auf Birao drohte. Er warf den Franzosen „Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten“ vor, womit er nicht unrecht hatte. Seit dem vergangenen November war eine 18köpfige französische Unterstützungsmannschaft in Birao stationiert. Diese Einheit nahmen die Rebellen in der Nacht des 3. März 2007 unter schweren Maschinengewehrbeschuss. Dagegen setzten die Franzosen wiederum Mirage-Flugzeuge aus dem Tschad ein, weiters setzten sie 50 Fallschirmjäger ab, die aus Bangui gebracht wurden. Sie sollten den Flughafen von Birao sichern, um Fremdenlegionäre einfliegen zu können. So konnten sie, gemeinsam mit den Regierungstruppen, die Rebellen wiederum aus der Stadt und ihrer Umgebung vertreiben.

Die Kämpfe in der Region werden von kleinen Einheiten geführt. Die UFDR hatte vermutlich nie mehr als 500 Kämpfer, und auch der Regierung der ZAR stehen bestenfalls 5.000 Soldaten zur Verfügung, von denen keine 2.000 eine Kampfausbildung haben. Dabei ist das Land in etwa so groß wie Frankreich.

In Sachen Brutalität stehen die kämpfenden Parteien einander in nichts nach. Für die Verwüstung von Birao machten sich die beteiligten Parteien gegenseitig verantwortlich, aber die Hauptschuldigen waren vermutlich die Streitkräfte der ZAR und ihre französischen Unterstützer. Besonders berüchtigt ist die „Präsidentengarde“, offiziell „Schutz- und Sicherheitsbataillon der Behörden“ genannt. Sie kam mit Bozizé bei dessen Putsch aus dem Tschad mit. Bei der Bekämpfung der zweitgrößten Rebellengruppe, der „ Volksarmee für den nationalen Wiederaufbau “ ( APRD ), beging diese Einheit zahllose Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung in Form von Massakern, Vergewaltigungen, Plünderungen und Folterungen. Ausgebildet wurden die ZAR-Streitkräfte selbstverständlich von den Franzosen.

Frankreich bedient sich neben seinen eigenen Truppen (vor allem Luftwaffe, Fallschirmjäger und Fremdenlegionäre) auch bei den Nachbarländern, wenn es um die Aufstellung von Streitkräften gegen eine bestimmte Fraktion geht. Deshalb greifen in innerstaatliche Auseinandersetzungen in der ZAR immer wieder Truppen aus angrenzenden Staaten, dem Tschad, dem Kongo, aber auch aus Sudan oder Libyen ein.

So ergibt sich ein Bild von formal unabhängigen Staaten im Zentrum Afrikas, deren Machthaber, aber auch die meisten Führer von Aufstandsbewegungen, allesamt von Frankreich oder anderen imperialistischen Mächten abhängig sind und allzuoft nach deren Pfeife tanzen. Den Franzosen sind dabei, wenn es um die eigenen Einsätze geht, Landesgrenzen völlig egal Bodentruppen werden etwa in der ZAR stationiert, Luftstreitkräfte im Tschad, und bei Bedarf werden sie an die jeweiligen Einsatzorte gebracht.

Dahinter stehen die Konzerne, die aus Zentralafrika Uran, Gold, Diamanten, und in zunehmendem Maß Erdöl herausholen.

Massenelend

In der Zentralafrikanischen Republik, einem Land von der Größe Frankreichs, leben zwischen drei und vier Millionen Menschen. Wie viele es genau sind, weiß niemand. Niemand hat sich je die Mühe gemacht, sie zu zählen, und niemand weiß genau, wann wie viele Menschen vor den Kämpfen in benachbarte Länder geflüchtet sind.

Von denen, die sich in den umkämpften Gebieten aufhalten, fehlt einer Million Menschen der Zugang zu sauberem Wasser, jährlich sterben Tausende Menschen an den Folgen des Wassermangels. Nun ist diese Region aber keineswegs eine Wüste, im Gegenteil ist sie zu einem Teil von fast undurchdringlichen Dschungeln bewachsen. Das Wasserproblem ergibt sich daraus, dass über ein Viertel der Brunnen in den Dörfern derzeit nicht funktionieren, und viele Menschen ihre Dörfer verlassen müssen und sich vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Busch in Sicherheit zu bringen versuchen. Dort finden sie aber nur stehendes Wasser oder verschmutzte Flüsse vor.

Die Flüchtlinge erreichen oft nach wochen- oder monatelangen Irrwegen durch den Dschungel den Tschad, wo sie von den Behörden registriert und in Sammellager gebracht werden. Über 48.000 solche Flüchtlinge leben zur Zeit in Zeltlagern, und geschätzte weitere 50.000 irren immer noch im Wald umher. Und niemand, auch nicht das Flüchtlingshilfswerk der UNO ( UNHCR) , hat eine Ahnung davon, was im Norden der ZAR zur Zeit vor sich geht, die Gegend wird schlicht als zu gefährlich eingeschätzt, als dass sich jemand um sie kümmern würde.

In den Flüchtlingslagern mangelt es so ziemlich an allem. Die Zelte sind alt und verschlissen. Es gibt kaum Medikamente gegen die grassierende Malaria, täglich sterben 10 Menschen daran allein im Lager von Amboko . Die Kinder bräuchten dringend Moskitonetze, aber das Budget der Hilfsorganisationen lässt deren Kauf nicht zu. Während ihrem Aufenthalt im Dschungel haben sich viele Menschen mit Ruhr infiziert, und an eine Behandlung von AIDS -Infizierten ist schon deshalb nicht zu denken, weil es nicht einmal die Mittel gibt, die Krankheit festzustellen.

Daheim in der Zentralafrikanischen Republik haben nur wenige Leute Zugang auch nur zur einfachsten Gesundheitsvorsorge oder Gesundheitserziehung. Einige waren vielleicht schon einmal in einer Krankenhausapotheke oder hatten Erfahrungen mit herumreisenden Ärzten, aber viele verlassen sich auf Kräutermedizin und religiöse Zeremonien, Heilmittel, mit denen sie für das Leben in den Lagern schlecht vorbereitet sind.

Auch die hygienischen Zustände in den Lagern fördern den Ausbruch von Krankheiten. Dabei verzichten die HelferInnen inzwischen darauf, die Flüchtlinge über die Wichtigkeit des täglichen Waschens aufzuklären, vor allem angesichts der dicht gedrängten Massen. Denn sie hätten nicht einmal genug Seife, um die Lager damit zu versorgen.

Während an den Grenzen zum Tschad täglich weitere Flüchtlinge ankommen, gibt es in den Lagern bereits Engpässe bei der Versorgung mit Bohnen, Getreide, Öl und Mehl. Dazu kommt, dass die Regenzeit im Mai beginnt, dann stehen die gesamten Lager unter Wasser und verwandeln sich in Schlammwüsten.

Die NGOs, die diese Lager betreiben, wissen, warum sie aufgrund ihrer knappen Budgets kaum helfen können: Spätestens seit dem Eintreffen der ersten europäischen Soldaten im Tschad, die angeblich die Flüchtlinge aus dem Sudan schützen sollen, werden ihre Mittel immer mehr gekürzt. Zum einen ist Darfur seit Jahren der Renner bei der internationalen „Flüchtlingshilfe“, zum anderen werden selbst die Mittel für den Militäreinsatz im Tschad von den jeweiligen Budgets für „Entwicklungshilfe“ abgezogen immerhin wird ja behauptet, dass die Soldaten die Flüchtlinge schützen werden. Auch um den Preis, dass diese dafür mangels Hilfe verhungern.

Niger

Uran

Die Republik Niger ist das ärmste Land der Erde. Das liegt weniger daran, dass große Teile des Landes aus Wüste bestehen, sondern vielmehr daran, dass mitten in dieser Wüste, im Aïr -Gebirge, riesige Mengen an Uran lagern. Niger ist nach Kanada und Australien der drittgrößte Produzent von Uran, 2/3 der Bevölkerung hungern ständig, während die Abnehmerländer des Uran die reichsten der Erde sind: Frankreich , Deutschland , die USA . Frankreich produziert seinen gesamten Atomstrom heute mit Uran aus dem Niger.

Selbstverständlich helfen die Abnehmerländer der nigrischen Bodenschätze dem Land in Form von „Entwicklungshilfe“. So hat die deutsche GTZ („ Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit “) seit den 80er Jahren, angeblich 54 Quadratkilometer Land im Niger nutzbar gemacht, sowie Fortbildungsmaßnahmen für „250 bis 300 Gemeindevertreter“ organisiert. Selbst die GTZ bezweifelt die Effizienz ihrer eigenen Maßnahmen, die der Niger durch den Raub an seinen natürlichen Ressourcen tatsächlich selbst bezahlt.

Seit 1973 haben im Niger mindestens 4 schwere Hungersnöte stattgefunden. Bei diesen Hungersnöten sind mindestens eine halbe Million Menschen an Hunger gestorben, eine weitaus größere Zahl an Menschen hat durch insbesondere frühkindliche Unterernährung bleibende Schäden davongetragen, die auch die genetische Reproduktionsfähigkeit der nigrischen Bevölkerung geschwächt haben dürften. Hinzu kommen die Belastungen durch radioaktive Verunreinigungen im Zentrum des Landes.

Der Raub

Der französische Konzern COGEMA-AREVA lässt aber nicht nur in der ZAR Uran abbauen, in viel größerem Maßstab macht er das im Nachbarland Niger. Vermutlich deshalb ist der Niger das ärmste Land der Welt.

Der Niger ist nach Kanada und Australien drittgrößter Uran-Produzent, wobei die Uranexporte seit Ende der 60er Jahre stark anstiegen. Abbaugebiet ist das Aïr-Gebirge im Zentrum des Landes, mitten in der Wüste Ténéré . Und COGEMA ist Haupteigentümerin der beiden Minengesellschaften im Niger SOMA Ï R (gegründet 1968) und COMINAK (gegründet 1974). Aber auch deutsche Konzerne sind am Uranraub beteiligt, EnBW AG und E.ON AG sind über die „Urangesellschaft“ an SOMAÏR beteiligt, und Siemens ist Teil der AREVA-Gruppe, die aus COGEMA, Siemens und Framatome Connectors International besteht. Nach eigenen Angaben beschäftigen die beiden Abbaufirmen 1.700 Personen.

Die COMINAK-Mine ist die größte Uranmine der Welt mit 250 km Stollenlänge, die SOMAÏR baut Uran im Tagbau ab. Aus einer Tonne Gestein werden in den Uranmühlen, die die beiden Gesellschaften im Niger betreiben, durchschnittlich 3 3,5 kg Uran 238 gewonnen, und nach eigenen Angaben wurden seit den 60er Jahren etwa 94.000 Tonnen Uran gefördert. Allein in den Tagebau-Minen der SOMAÏR ergibt das Abraumhalden von ca. 500 Millionen Tonnen radioaktiv strahlendem Gestein.

Die COGEMA-AREVA hat inzwischen eine neue mögliche Förderstätte 100 km südlich von Arlit ausgemacht, und der nigrischen Regierung liegen auch schon Anträge der kanadischen „ Northwestern Mineral Ventures Inc. “ um Konzessionen für zwei Uranförderungsstätten im Niger vor. Diese würden die Fläche von 4.000 Quadratkilometern umfassen, das entspricht der zehnfachen Fläche von Wien. Und daneben bemüht sich die chinesische Sino-U ebenfalls darum, die nigrische Bevölkerung mit radioaktiven Förderrückständen zu vergiften.

Leben mit Plutonium

2003 wollte die französische NGO CRIIRAD („ Unabhängige Forschungs- und Informationskommision Radioaktivität “) selbst die Radioaktivität in Arlit messen, wurde aber bereits bei der Einreise in Niamey , der Hauptstadt des Niger, von den Behörden angehalten. Die Messgeräte wurden beschlagnahmt, aber CRIIRAD konnte sich über eine Schwesterorganisation wieder Geigerzähler beschaffen. Hier ihre Messergebnisse:

Die Abraumhalden der Minen enthalten immer noch 80% der ursprünglichen Radioaktivität, und der radioaktive Staub gefährdet die in der Umgebung lebende Bevölkerung. Nach eigenen Angaben sind die Abraumhalden der COMINAK-Mine nahe der Stadt Arlit 25 Meter hoch und erstrecken sich über 50 Hektar Fläche, das ergibt eine Menge von 10,5 Millionen Tonnen Gestein, bei einer Strahlung von 500.000 Bequerel pro Kilogramm (Thorium 230, Radium 226, Blei 210). Der Lebensmittel-Grenzwert in der EU liegt derzeit bei 600 Bequerel pro Kilogramm Lebensmittel.

CRIIRAD hat auch untersucht, wie die nigrischen Behörden mit der Frage des Strahlenschutzes umgehen. Untersucht werden nur Menschen in Spitalsbehandlung, nicht aber die Umgebungsstrahlung. Auch die Minenarbeiter werden nicht auf Verstrahlung untersucht. Die Messergebnisse liefert das Strahlungsinstitut ALGADE , ein ehemaliges Unternehmen der COGEMA-AREVA, es wird von niemand kontrolliert. Die „Internationale Atomenergie-Organisation“ ( IAEO) hat 1995 Messgeräte in den Niger geliefert, die allerdings von Anfang an nicht funktioniert haben.

Was die Arbeiter betrifft, so gibt selbst die COGEMA-AREVA zu, dass 78 Minenarbeiter im Jahr 2002 einer radioaktiven Belastung ausgesetzt waren, die über den Grenzwerten der EU liegen. Die Radon-Belastung der Luft geht ebenfalls über den EU-Grenzwert hinaus, große Mengen radonhaltiger Abluft werden über die Belüftungsanlagen der COMINAK-Mine in die Luft geblasen. Aus den Abraumhalden wiederum trägt der Wind radioaktiven Staub in die Stadt, und es ist von einer radioaktiven Verseuchung des Wassers auszugehen, wodurch die Strahlung in die Nahrungskette für Menschen in der Umgebung der Minen gelangt. Im Jahr 2004 kam es zu einem Transportunfall mit Uran, bei dem ebenfalls radioaktive Strahlung frei wurde.

Die französische Menschenrechtsorganisation SHERPA hat im April 2005 Arbeiter und BewohnerInnen von Arlit interviewt, sie spricht von einem allgemeinen Klima der Angst in der Stadt, die Arbeiter und ihre Angehörigen würden von den Minenbetreibern mit Repressalien bedroht. SHERPA durfte die Mine nicht besuchen: „Die Gesellschaft (COGEMA-AREVA) tut alles, um die Realität zu verschleiern oder schlicht, eine andere Realität vorzugeben.“ Dem Unternehmen geht es „um die Sicherheit des Materials und um die Förderraten. Die Sicherheit der Arbeiter zählt nicht.“ Die Arbeiter werden in keiner Weise über die Risiken der Arbeit mit radioaktivem Material informiert, ihnen wird gesagt, sie würden helfen, „den Reichtum unseres Landes auszubeuten“. Staubmasken gab es erst 15 Jahre nach Förderbeginn, die Arbeiter mussten ihre Arbeitskleidung daheim waschen. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet, dass seine Enkelkinder auf seinen Knien saßen und er dabei seine mit Uranstaub verunreinigte Arbeitshose angehabt hatte.

Erst seit 1986 ist die Frage der Radioaktivität von den Betreibern berücksichtigt worden. Erst seit Anfang der 90iger Jahre gab es Waschanlagen sowie Dosimeter bei der SOMAÏR. Bis heute verweigert die SOMAÏR den Beschäftigten von Subunternehmen die Ausrüstung mit Sicherheitsarbeitsmaterial, so der Bericht von SHERPA. Erkrankungen der Beschäftigten werden systematisch negiert. Die Ärzte in den SOMAÏR-Krankenhäusern „sind gehalten, alle Krankheiten, die mit der Uranproduktion zu tun haben könnten, insbesondere alle des Atmungsapparates, zu kaschieren“. Und diejenigen Patienten, die die Mittel für eine Behandlung nicht aufbringen können, werden heimgeschickt.

Verschleierung

Die Behauptung der COGEMA-AREVA, dass die gesamte Bevölkerung von Arlit und Akouta von den eigenen Krankenhäusern umsonst versorgt würde, sei (laut SHERPA) unwahr. Insbesondere den Arbeitern aus Subunternehmen, deren Anteil unter den Beschäftigten SHERPA bei 60% ansetzt, würde nicht die gleiche Behandlung zuteil werden, wie den direkt angestellten Arbeitern. Gerade aber diese „Leiharbeiter“ seien in den gesundheitsgefährdenden Abschnitten der Uranproduktion eingesetzt, wie laut SHERPA ein ehemaliger leitender Angestellter der Minen einem Journalisten von Canal+ berichtete.

Die Minengesellschaften würden nur zwei Krankheiten als berufsbedingt anerkennen: Dermatosen (Hautkrankheiten) und Gehörschäden . Demgegenüber führe die nigrische Gesetzgebung zum Abbau radioaktiver Stoffe eine Vielzahl von Krankheiten auf, insbesondere eine Vielzahl von Krebserkrankungen wie Blut-, Knochen-, Augen- oder Lungenkrebs.

Systematisch würden die Gefahren und Verantwortlichkeiten von seiten der Minen-Gesellschaft geleugnet. „Die Vertrauenswürdigkeit von öffentlich gemachten Statistiken“ wird von SHERPA bezweifelt. Der Bericht führt eine Vielzahl von Beispielen auf, die diesen Verdacht als wahr erscheinen lassen. Unter anderem wird aufgeführt, dass von seiten der Minengesellschaften von einer nachlassenden sexuellen Aktivität der Bevölkerung gesprochen würde, wenn ein evidenter Rückgang der Geburten in der Region in den letzten Jahren erklärt werden solle. Eine „Abnahme der sexuellen Aktivität ist aber etwas anderes als die Abnahme der Fruchtbarkeit“, so SHERPA. Bei Auffälligkeiten würde COGEMA-AREVA jeden Zusammenhang mit der Uranproduktion aus der Diskussion zu halten versuchen (denn damit würden sich Fragen nach Schadenersatz für die Betroffenen stellen), so SHERPA, die ihren Bericht mit der Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung abschließt.

Widerstand in der Sahara

Neben französischen Unternehmen interessieren sich zunehmend kanadische und chinesische Firmen für das nigrische Uran. Die Regierung in Niamey möchte von diesem wachsenden internationalen Interesse und der erhöhten Nachfrage nach Uran (nach jahrelangem Verfall der Preise für den Rohstoff steigen diese stark an) profitieren. Deshalb wird das quasi-Monopol der COGEMA-AREVA nun in Frage gestellt, Verträge neu verhandelt und Lizenzen an verschiedene internationale Firmen vergeben. Doch die Menschen in den Abbaugebieten merken kaum etwas von den Einnahmen aus der Uranförderung, nur 15% dessen, was für den Niger abfällt, bleiben in der Region, der Rest geht an die Zentralregierung.

Folglich fordern die Tuareg eine stärkere Beteiligung an den natürlichen Reichtümern ihrer Region. Dabei werden sie zuweilen von den Imperialisten unterstützt, der COGEMA-AREVA werden gute Kontakte zu den Rebellen nachgesagt, weshalb ihr Sicherheitsberater, Oberst a.D. Jules Denamur , im Juli 2007 aus dem Land ausgewiesen wurde. Der Mann war übrigens zuvor Militärattaché der französischen Botschaft im Niger. Die Zeitung Le Démocrate schreibt in diesem Zusammenhang von einem „Destabilisierungsversuch“ und verweist auf die amerikanischen Interessen in der Region.

Die Südsahara wurde mit der „Entkolonialisierung“ auf mehrere Staaten ( Mauretanien , Mali , Niger, Algerien ) aufgeteilt, wodurch die Lebensräume der Tuareg durch Grenzen zerstückelt wurden. Seither fordern die Tuareg entweder einen eigenen Staat Sahara , oder zumindest eine weitgehende Autonomie innerhalb der jeweiligen Nationalstaaten. Verschärft wird die Lebenssituation der Menschen in der Region nicht nur durch die sich ausdehnende Wüste, viel gefährlicher sind für sie Reichtümer an Bodenschätzen, neben Uran wird in der Sahara immer mehr Erdöl gefunden. Und die BewohnerInnen stören den reibungslosen Raub dieser Naturschätze ebenso wie die Verteilung der daraus lukrierten Gewinne.

In den 90er Jahren kämpften aufständische Tuareg mit Unterstützung Libyens für mehr Autonomie, danach herrschte 12 Jahre lang Ruhe. Seit Anfang 2007 kommt es wieder zu vermehrten Angriffen von Rebellen, die sich in der MNJ („ Bewegung der Nigrer für die Gerechtigkeit “) organisiert haben. Dabei werden Regierungstruppen und ausländische Konzerne ins Visier genommen. Politischer Chef der MNJ ist Agaly Alambo , der bereits in den 90er Jahren aktiv war. Nach der damaligen Beilegung des Konfliktes übernahm er zunächst das Amt des Unterprefäkten von Arlit, danach machte er sich mit einer Reiseagentur selbständig.

Am 22. Juni nahmen die Aufständischen den Armee-Außenposten Tizirzet ein, dabei wurden 15 Regierungssoldaten getötet und 72 gefangen genommen. Die MNJ begründet ihren Kampf mit der Ausweitung der Uranförderung, die Regierung in Niamey plant eine Verdreifachung der Uranerzproduktion. „Die Regierung will China im Norden Nigers installieren wir sind dagegen. Die Chinesen sind nicht willkommen, weil sie nicht mit den Einheimischen arbeiten“ lautet eine Stellungnahme der MNJ, die u.a. die Angestellten der Chinesischen nationalen Ölgesellschaft ( CNPC ), die in der Region nach Erdöl sucht, zum Verlassen des Landes aufgefordert hat.

Aber auch französische Einrichtungen in Niger sind Ziel von Angriffen geworden. Die AREVA-Mine in Imouraren wurde am 20. April 2007 attackiert, die Einrichtungen der französischen Baufirma Satom-Sogea in der Nähe von Nordnigers größter Stadt Agadez am 3. Juli. Am 4. Juli griffen Rebellen das Elektrizitätswerk an, das die beiden französischen Uranminen mit Strom versorgt.

Die Zeichen stehen auf weiterer Eskalation. Die Rebellen sagen, Nigers Regierung habe mit chinesischem Geld zwei russische Kampfhubschrauber gekauft und ukrainische Piloten angeheuert, um Luftangriffe zu fliegen. Die Regierung hat zwei Zeitungen verboten, weil sie zu detailliert berichteten. So hatte die Zeitung Aïr-Info in Agadez über die Einnahme des Militärstützpunkts Tizirzet geschrieben, die lokale Bevölkerung könne den Rebellen gar nicht geholfen haben, wie die Armee hinterher behauptet hatte, denn sie sei ja vorher schon komplett von den Militärs deportiert worden.

Im Juni 2007 haben die nigrischen Behörden Reisen zwischen nordnigrischen Städten ohne Militäreskorte verboten, was de facto einem Reiseverbot entspricht. „Die Leute sollten entweder nicht reisen oder sie sollten sich an den Kosten für einen Konvoy beteiligen“, erklärte ein Militärsprecher. Die Regierung des Niger weigert sich, die MNJ anzuerkennen und diffamiert sie als Banditen und Drogenhändler. Aber sie war gezwungen, Verstärkungen der Armee in den Norden zu schicken, Mitte Juli 2007 bewilligte sie über 60 Millionen Dollar an Extramitteln, um den Angriffen zu begegnen.

Unterstützung?

Das einzige Land, das in der Vergangenheit die Forderung nach einem Tuareg-Staat unterstützt hat, ist Libyen. Deshalb wird vermutet, dass Ghadaffi die Aufständischen auch materiell unterstützt. Kurz vor dem letzten Aufstand besuchte Ghadaffi Agadez, und er sprach sich auch gegenüber dem nigrischen Staatschef für die Autonomie der Tuareg-Gebiete aus. Es gibt zwar keine Beweise für eine Unterstützung der Rebellen durch Libyen, allerdings fiel auch der Aufstand in Mali zeitlich mit einem Besuch Ghadaffis in Kidal zusammen. Und bei Verhandlungen über die Freilassung von in der Sahara entführten TouristInnen spielt Libyen ebenfalls oft eine Vermittlerrolle.

Mali

Geschichte

Mali ist etwa viermal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und hat ca. 11 Millionen EinwohnerInnen. Das Gebiet war lange Zeit ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum mit den Reichen Ghana , Mali und dem Reich der Songhai . Seit dem 5. Jahrhundert war Ghana Zentrum des Handels mit Kupfer, Baumwolle, Pferden, Kola-Nüssen und später Sklaven, bis es 1076 von moslemischen Berbern zerstört wurde. Das neue Reich Mali erstreckte sich vom Atlantik bis zum heutigen Nigeria und war derart wohlhabend, dass sein Herrscher, als er auf der Pilgerreise nach Mekka durch Ägypten kam, dort den Wert des ägyptischen Dinars mit seinen Goldgeschenken auf Jahre hinaus ruinierte. Im Mali-Reich konnten auch Sklaven als königliche Berater und Verwalter starken Einfluss erlangen. Das Reich wurde im 15. Jarhhundert von den Songhai erobert.

Auch die Songhai-Herrscher traten zum Islam über, ließen aber die bäuerliche Bevölkerung weiterhin ihre traditionelle Religion ausüben. Sie führten eine Berufsarmee ein, eroberten das Aïr-Gebiet, und stärkten die Handelsstädte. Das Vordringen der Marokkaner und der atlantische Handel führten schließlich zum Bedeutungsverlust Malis, das Reich zerfiel, und bis ins 19. Jahrhundert gab es Versuche, ein neues, moslemisches Reich zu gründen.

1883 drangen dann französische Kolonialtruppen nach Mali vor und besetzten Bamako , 1904 gliederte Frankreich das Land seiner Kolonie Französisch-Sudan an. Die BewohnerInnen wurden zum Anbau von Exportgütern wie Erdnüsse, Baumwolle und Gummi gezwungen, erst durch Zwangsarbeit, später durch Steuern. Dagegen entwickelten sich Widerstandsbewegungen, die est 1898 niedergeschlagen werden konnten. Bis zur Unabhängigkeit 1960 war Mali dann Teil von Französisch-Westafrika .

Mit der Unabhängigkeit zerfiel das Kolonialgebilde, erst machte sich der Sudan, später auch Mali selbständig. Der erste Präsident, Modibo Keita , zwang die Franzosen zum Abbau ihrer Militärbasen im Land und orientierte sich am Sozialismus. 1962 verließ Mali den Franc-Verbund und schuf eine eigene Währung (1976 kehrte es allerdings in den Verbund zurück). Staatseigene Gesellschaften wurden gegründet und die Industrie gefördert. 1968 wurde Keita durch einen Putsch unter Oberst Moussa Traoré gestürzt, und bis in die 80er Jahre regierten die Militärs das Land.

Ab 1980 zwangen IWF und Weltbank dem Land „Reformen“ auf, die das Lebensniveau der Bevölkerung stark verschlechterten. Dazu kam die sich ausbreitende Wüste im Gefolge von Dürrekatastrophen, die viele Nomaden dazu zwang, ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben; heute sind sie die BewohnerInnen der Elendsviertel der malischen Städte. Zwischen 1989 und 1994 kam es zum Bürgerkrieg mit den Tuareg des Landes, bei dem 2.000 Menschen starben und 80.000 aus ihrer Heimat fliehen mussten. Hintergrund dieses Konflikts war die Rückkehr vieler ausgewanderter Gastarbeiterfamilien aus der Erdölindustrie Algeriens und Libyens , die in diesen Jahren einen Niedergang erlebte. Gegen den Aufstand ging das Militär mit brutaler Härte vor, bei der es keinen Unterschied zwischen Rebellen und Zivilbevölkerung machte. Im Mai 1991 wurden zahlreiche Geschäfte von Tuareg in Timbuktu verwüstet, in anderen Städten führende Tuareg ohne Prozess erschossen.

Unruhen und Demonstrationen in Bamako führten 1991 zum Sturz Moussa Traorés durch einen „ Rat der Nationalen Versöhnung “ unter Führung von General Amadou Touré , der auch gleich Übergangspräsident wurde. Eine neue Verfassung wurde verabschiedet und 1992 Alpha Oumar Konaré zum Präsidenten gewählt. Die „nationale Konferenz“ von 1992 sollte den Bürgerkrieg beenden, den Tuareg wurde die Möglichkeit der Rückkehr in die Politik und die Aufnahme in Verwaltung und Militär versprochen. Auf die zugesicherte Autonomie warten sie heute noch. Trotzdem gilt Mali heute als eine der stabilsten Demokratien Afrikas.

Fraktionen des Widerstands

Der Azawagh ist ein 1.600 km langer Zubringerfluss zum Niger. Er kennzeichnet den Übergang von der Sahara zur Sahel . Das Azawagh-Tal ist das Zentrum der Aktivitäten der Tuareg. Agadez ist die Hauptstadt der Tuareg im Niger und war früher Ausgangspunkt der Karawanen durch die Ténéré und Sahara.

1987 wurde die „ Bewegung zur Befreiung von Adagh und der Nigerschleife “ gegründet, langsam hatte sich in der Region von Kidal und im Norden Malis ein Tuareg-Aufstand entwickelt. Dazu stießen Tuareg aus der Region Azawagh und dem Niger, und gründeten 1990 in Mali die PFLA ( Volksfront für die Befreiung von Azawagh ). Ihr erster Anführer war Rhissag Sidi Mohammed .

In den Jahren 1991 1992 fand in Mali die „Nationale Konferenz“ statt, die einen Frieden zwischen der Zentralregierung und den Aufständischen zum Ziel hatte. Die Konferenz wurde maßgeblich von Algerien mediiert, in dessen südlichen Regionen zahlreiche Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg Zuflucht gesucht hatten.

Die PFLA vertrat auf dieser Konferenz die Position „entweder Föderalismus oder Unabhängigkeit“, während die malische Regierung den Tuareg bloß eine gewisse Autonomie zugestehen wollte. Die PFLA wurde in ihren Forderungen sowohl von Algerien als auch von Mauretanien unterstützt. Allerdings zeigten sich innerhalb der Tuareg Spannungen mit der IAFA ( Islamisch-arabische Front von Azawagh ). Die Front wurde 1991 als Reaktion auf Strafverfolgungen von Tuareg in der Region Gao und Timbuktu gegründet. Dachorganisation von PFLA und IAFA sowie weiteren Organisationen ist die MUFA ( Bewegung und Vereinigte Front von Azawagh ).

Die PFLA spaltete sich Ende 1991 in die PFLA und die MPA ( Volksbewegung von Azawagh ), die diesen Namen angenommen hatte, um gegenüber Frankreich und Algerien zu zeigen, dass sie keine „Befreiungs“-Bewegung sei.

Im Niger existiert weiters die FLAA ( Front zur Befreiung von Aïr und Azawagh ), die 1991 von jungen Tuareg gegründet wurde. Ihr erster Chef war Rhissa Boula . 1993 unterzeichnete sie ein Friedensabkommen mit der nigrischen Regierung, das zur Freilassung aller Gefangenen und einer Periode des Friedens im Niger führte. Unter dem Einfluss Frankreichs spaltete sich die FLAA in drei Fraktionen ( RALA , FLT und PFLS ). Eine weitere Tuareg-Fraktion ist die UARF ( Union der Bewaffneten Widerstandskräfte ), die sich weigerte, das Friedensabkommen für den Niger 1994 zu unterzeichnen. Sie blieb bis Ende 1997 aktiv, dann gaben ihre Kämpfer die Waffen ab.

Wie im Niger kam es auch in Mali wieder zu Aktionen von Tuareg-Widerstandskämpfern. Diese sind aber inzwischen heillos zerstritten. Während ein Teil sich weiterhin an das Friedensabkommen hält, führen andere den Kampf in Zusammenarbeit mit nigrischen Gruppen weiter.

Im Mai 2007 überfielen Rebellen einen Außenposten der malischen Armee bei Tin-Za nördlich der Stadt Kidal, nur 3 km von der algerischen Grenze entfernt. Die Tat wurde der Gruppe von Ibrahim Bahanga angelastet. Denn die Mehrheit der malischen Tuareg-Organisationen hält sich zur Zeit an einen 2006 ausgehandelten Waffenstillstand mit der malischen Regierung, der dem Präsidenten Touré die Wiederwahl sicherte.

Die Angriffe gingen weiter, im September 2007 wurde im Norden Malis ein Konvoy des Landwirtschaftsministers überfallen und fünfzehn Armeeangehörige als Geiseln genommen. Am Tag danach gelang es Tuareg, 20 weitere Geiseln zu nehmen, nachdem sie einen Militärkonvoy in Tinzhawaten überfallen hatten. Alle diese Überfälle wurden Bahanga zugerechnet, der mit Agaly Alambo im Niger zusammenarbeitet.

Wo Öl ist, müssen Terorristen sein

Im Sommer 2005 verlautete das Pentagon, die US-Armee habe „historische“ Antiterrormanöver mit einer Reihe nord- und westafrikanischer Staaten begonnen. Der US-Militär Holly Silkman erläuterte, es gehe darum „zu zeigen, dass überall dort, wo es Terroristen gibt, wir auch da sind und sie jagen.“ Silkman sprach in Bamako, der Hauptstadt Malis, im Zentrum des Einsatzgebietes. An den Manövern nahmen neben der malischen Armee Einheiten aus Mauretanien , Algerien , Niger und dem Tschad teil, also aus der gesamten instabilen Sahara-Sahel-Region, oder aus dem Großteil des ehemaligen französischen Einflussbereiches in Afrika. Geübt wurden Kommunikation unter schwierigen Bedingungen, Scharfschützeneinsatz, Fallschirmlandungen.

Mali gilt heute als einer der engsten Verbündeten der USA in Afrika, und das erklärt vermutlich auch seinen Status als „Demokratie“. Der wichtigste militärische Partner für die USA in Afrika ist derzeit allerdings Südafrika . Allein 2005 haben südafrikanische und amerikanische Truppen gemeinsam über 30 Manöver abgehalten, und Südafrika engagiert sich immer stärker als „Pate bei Friedensprozessen“, wie im Kongo und Burundi . In die ZAR wurden, wie oben berichtet, Ausbildner geschickt, und mit Mali ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit unterzeichnet.

Der Hintergrund für das antiterroristische Engagement Südafrikas in der Sahara ist leicht erklärt: Mali ist Afrikas drittwichtigster Goldproduzent (drei südafrikanische Firmen fördern 90% von Malis Gold), die südafrikanische Stromgesellschaft Eskom betreibt das wichtigste Kraftwerk der Sahel-Region auf malischem Gebiet, und südafrikanische sowie US-Firmen interessieren sich für Erdöl in Mali. Denn die gesamte Sahel-Region, von Mauretanien bis zum Tschad, ist derzeit Objekt intensiver Ölprospektion. Fünf internationale Ölfirmen schürfen im Norden Malis nach dem schwarzen Gold. Die geologischen Bedingungen seien identisch mit denen in Südalgeriens Ölgebieten, sagt Mamadou Simpara , Direktor der staatlichen Ölbehörde Aurep . Er meint damit genau die Gegend an den Grenzen zu Algerien und Mauretanien, in der „Terroristen“ vermutet werden.

Die Menschen in Mali sind mit zunehmender Verarmung konfrontiert, eine Heuschreckenplage führte 2005 zum Lebensmittelnotstand, die US-Subventionen für Baumwollbauern führen zu einer Überproduktion am Weltmarkt und treiben Westafrikas Baumwollindustrie sukzessive in den Ruin. Die vielgepriesene Demokratie in Mali konterkariert der Volksmund im Land. Premierminister Ousmane Issoufi Maiga wird dort „Pinochet“ genannt.

Neue Räuber im Club

Schuldennachlass

China liegt im Welt-Erdölverbrauch inzwischen auf Platz 2 hinter den USA, rund ein Drittel des Bedarfs wird in Afrika gedeckt. Dabei ist Angola der wichtigste Lieferant auf diesem Kontinent. Im November 2007 lud China 3.000 afrikanische Gäste zum China-Afrika-Gipfel nach Peking, darunter mehr als 40 Staats- und Regierungschefs, und Vize-Außenminister Zhai Jun erklärte, dass sich das Handelsvolumen Chinas mit afrikanischen Ländern inzwischen auf 50 Milliarden Dollar jährlich belaufe. Mit dem Tschad schloss China Geschäfte über 80 Millionen Dollar ab.

Der Westen bezichtigt China, der „Demokratisierung autoritärer Staaten“ in Afrika im Weg zu stehen, was angesichts etwa der US-Unterstützung für die Öl-Autokratie in Äquatorial-Guinea , der beschriebenen Praxis französischer Politik in Afrika oder auch der Geschäfte der OMV nur als Diffamierung imperialistischer Konkurrenz gelesen werden kann. Deshalb verlangt u.a. der deutsche Präsident Horst Köhler „die Bedeutung unseres Nachbarkontinents endlich richtig einzuschätzen“, denn „Afrika wird für die Entwicklung der Weltwirtschaft immer wichtiger“. Gemeint sind natürlich die Bodenschätze des Kontinents, und die Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Vor allem Chinas Unterstützung des Sudan im Weltsicherheitsrat ist den westlichen Imperialisten ein Dorn im Auge. Dabei hat China mehr als 30 afrikanischen Staaten deren Schulden erlassen und bildet tausende Menschen am Kontinent zu technischem oder medizinischen Fachpersonal aus. Dafür erhält China wiederum Unterstützung in der Taiwan-Frage, nur vier afrikanische Länder erkennen Taiwan noch als souveränen Staat an. Aber die afrikanische Wirtschaft leidet auch unter diesen neuen Kooperationen. Die wachsenden Importe von Textilien und Bekleidung, großteils aus China, haben die lokale Industrie in den letzten Jahren mehr als 60.000 Arbeitsplätze gekostet.

Militärhilfe

Die USA betrachten inzwischen Westafrika als Region von „strategischer Bedeutung“. Gemeint ist damit der Großraum um den Golf von Guinea mit Nigeria als bevölkerungsreichstem Staat. Die Bedeutung dieser Region liegt in ihrem Ölreichtum, gefördert wird in Nigeria, Angola , Äquatorial-Guinea und der Inselrepublik Sao Tomé und Principe . Afrikanisches Öl bietet mehrere Vorteile gegenüber dem aus dem Nahen Osten. Es ist von hoher Qualität, die Transportwege in die USA sind bedeutend kürzer, und die Gegend ist sicherer als die arabische Halbinsel. Für die Sicherheit sorgen die USA selbst. Die oben geschilderten Manöver sind Teil der amerikanischen „ Pan-Sahel-Initiative “ ( PSI ), in deren Rahmen Einheiten von 150 170 amerikanischen Soldaten gemeinsam mit den Armeen der beteiligten Länder den „Anti-Terror-Kampf“ üben. Im Gegenzug erhalten die USA Nutzungsrechte für Militärstützpunkte in diesen Ländern, vor allem von Flughäfen.

Hinter dem US-Engagement in Afrika steckt vor allem eine Lobby-Gruppe, die „ African Oil Policy Initiative Group “ ( AOPIG ), die sich aus Managern von Ölgesellschaften, Beraterfirmen und Politikern zusammensetzt. Bereits im Mai 2002 schlug die AOPIG vor, ein einheitliches militärisches Oberkommando der US-Streitkräfte für den gesamten afrikanischen Kontinent zu schaffen (bisher war für den größten Teil Afrikas das European Command in Stuttgart, ansonsten das Central Command in Tampa, Florida zuständig). Dazu soll in Sao Tomé und Principe ein riesiger Militärstützpunkt geschaffen werden, der über einen Hafen für eine Flotte inklusive Flugzeugträger und lange Start-/Landebahnen für die US-Luftwaffe verfügen soll. Dieser Stützpunkt, weitab vom afrikanischen Festland, soll als Ausgangsbasis für schnelle Militärinterventionen an beliebigen Punkten der Region dienen, ähnlich wie der Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean eine Basis für Interventionen im arabischen Raum bildet.

Schluss

Afrika präsentiert sich als Kontinent, der von imperialistischen Interessen zu Tode gemartert wird. Nach dem Massaker in Ruanda 1994 mit ca. 1 Million Toten, dem Krieg um den Kongo seit 1998, der über 4 Millionen Menschenleben forderte, dem Bürgerkrieg, der seit 1983 im Sudan über 2 Millionen Menschen das Leben kostete, breiten sich bewaffnete Konflikte nahezu über den gesamten Kontinent aus wie AIDS.

Senegal, Sierra Leone, Nigeria, Tschad, Liberia, Elfenbeinküste, Somalia, die Liste der Länder, in denen bewaffnete Konflikte ausgetragen wurden/werden, ist schier endlos.

Alle diese Konflikte werden von imperialistischen Interessen bestimmt und finden entsprechend dort statt, wo Bodenschätze vermutet, gefördert oder transportiert werden, dort wo „strategische Interessen“ formuliert werden. Die multinationalen Konzerne lassen ihre Interessen von den jeweiligen Armeen schützen, und neue Militärstützpunkte werden errichtet, nationale Armeen trainiert und aufgerüstet. Unter dem Deckmantel der „humanitären Hilfe“ und der „Terrorismusbekämpfung“ finden in Afrika wieder Stellvertreterkriege und direkte imperialistische Interventionen statt. Für Österreich gilt, dass der OMV das Bundesheer nach Afrika folgt, und damit auch das österreichische Kapital zu direkter militärischer Unterstützung bei der Durchsetzung seiner Interessen greift.

Parallel dazu wird der Rassismus gegen Flüchtlinge und MigrantInnen aus Afrika genährt, der hierzulande über die „Operation Spring“ dazu geführt hat, dass afrikanische Menschen mit „Drogendealern“ gleichgesetzt werden und nahezu völlig schutz- und rechtlos wurden. Ökonomisch wird Afrika nachhaltig zerstört, indem es mit subventionierten Waren aus den Metropolen überschwemmt wird. „Entwicklungshilfegelder“ fließen zunehmend in militärische Budgets, auch der Einsatz des Bundesheeres im Tschad wird zum Großteil über diesen Haushaltsposten abgerechnet.

Die afrikanischen Nationalstaaten sind äußerst instabile, von den westlichen Mächten installierte Gebilde. Ihre Grenzen verlaufen entlang ehemaliger oder aktueller Einflusszonen der imperialistischen Mächte und zerschneiden den Lebensraum der Menschen. Dementsprechend negieren auch Widerstandsgruppen diese Grenzen und agieren länder-übergreifend: Gruppen aus verschiedenen Ländern agieren gemeinsam, Gruppen ziehen sich in „fremde“ Länder zurück. Viele dieser Gruppen sind aber alles andere als Befreiungsbewegungen, oft handelt es sich schlicht um verlängerte Arme der multinationalen Plünderer, die sich einen Anteil am Kuchen sichern wollen. Die Menschen sind diesem Wahnsinn nahezu hilflos ausgeliefert.

Haupttriebkraft dieses „afrikanischen Weltkriegs“ sind aber die Imperialisten. Erst deren Gier nach den Bodenschätzen schafft die Grundlage für die innerafrikanischen Auseinandersetzungen. Deshalb müssen wir hier zuallerst dafür kämpfen, dass „unsere“ Truppen, d.h. das österreichische Bundesheer, sich aus Afrika zurückziehen, und ebenso „unsere“ Konzerne, allen voran die OMV, in deren Interesse diese Truppen in Afrika agieren. Diese Interessen sind genauso wenig die unsrigen wie sie die der afrikanischen Bevölkerung sind. Ein starkes Motiv für einen solchen Truppenrückzug ist deren Bekämpfung an den Stationierungsorten. Je rascher und je mehr österreichische SoldatInnen im Tschad verwundet oder getötet werden, desto eher wird hier ein Stimmungsumschwung zugunsten eines Rückzuges stattfinden. Der beste Platz für Eroberer ist unter der Erde keine Träne für gefallene SoldatInnen!