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Die Volksversammlung Syntagma, 3. Juli 2011
Liebe FreundInnen, Brüder und Schwestern,
wir sind die, die seit einem Monat am Syntagma-Platz in Athen kämpfen. Wir organisieren uns selbst in direkter Demokratie unter Ausschluss aller politischen Parteien. Unsere Stimme ist die tägliche Volksversammlung.
Wir sind empört, denn andere entscheiden für uns, ohne uns und verpfänden unsere Zukunft; sie nehmen Anleihen auf, die nicht dem Volk dienen, sondern den Interessen der Banken und der Regierung. Wir sind empört, denn sie erschrecken uns mit der Drohung von Bankrott. Sie versuchen uns nicht nur Angst einzujagen, sie versuchen auch, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.
Wir möchten keine Anleihen mehr
Wir möchten nicht, dass öffentliches Eigentum verkauft wird
Wir wollen nicht, dass ein mittelfristiges Sparpaket angenommen wird
Wir wollen keine Vergesellschaftung von Schulden und Privatisierung von Gewinnen
Vereinigt eure Stimme mit unserer
Sie verwenden unsere Opfer und die euren, damit einige wenige zu Wohlstand kommen.
Wir sind heute hier, ihr werdet morgen hier sein.
Wir gehen jeden Tag auf die Straße.
Jeden Sonntag treffen einander hunderttausende BürgerInnen in ganz Griechenland, der Syntagma-Platz ist das Herzstück. Das mittelfristige Sparpaket wird nicht durchgehen.
JournalistInnen beruhigen, wir nicht.
Wir rufen alle Menschen in Europa und alle Gewerkschaften dazu auf, am Tag der Abstimmung über das mittelfristige Sparpaket Solidarität und Aktionen gegenseitiger Unterstützung zu organisieren.
Alle gemeinsam, auf dass wir unsere Leben in unsere Hände nehmen können
Eine Warnung an die Troika, die Banken und lokale oder ausländische Investoren, die davon träumen, das griechische öffentliche Eigentum zu ergattern
Eine (vom Volk) gekündigte und diktatorische Regierung, die nicht die Menschen dieses Landes repräsentiert, hat soeben Gesetze erlassen (Mittelfristiges Abkommen, Durchführungsgesetz), um das griechische öffentliche Eigentum und Land zu verkaufen, gegen den Willen der großen Mehrheit des Volkes.
Wir informieren diejenigen, die an eine Investitionsmöglichkeit denken, darüber, dass wir, in sehr kurzer Zeit, diese Regierung stürzen werden und dass alle für ihre Verbrechen gegen das Volk und das Land zur Verantwortung gezogen werden werden. Ihre Rechnungen und Unterschriften sind ungültig. Sie werden vom griechischen Volk nicht beglichen werden und sie werden vom Volk nicht anerkannt werden.
Wir warnen alle Investoren, nicht einmal daran zu denken, in die Nähe einer Versteigerung oder den Verkauf unseres öffentlichen Eigentums oder Landes zu kommen und darüber hinaus, es nicht zu kaufen. Wenn wir die Souveränität über unser Land wieder hergestellt haben werden, werden sie alles verlieren, was sie gekauft haben, und das Geld, das sie für diese illegale Transaktion ausgegeben haben, wird nicht zurückbezahlt werden.
Darüber hinaus warnen wir sie, dass wir, bis wir die Kontrolle über das Land wieder erlangt haben, im Prozess der Verteidigung unserer Rechte, wie sie in der Griechischen Verfassung und in den international anerkannten Menschenrechten erwähnt werden, zu allen nötigen Mitteln (durch unsere Selbstorganisation) greifen werden, um ihre Investitionen zu annullieren und zu sabotieren.
Kein potentieller Investor sollte es deshalb wagen, irgendeinen Einkauf öffentlichen Eigentums und Landes in Griechenland zu tätigen, denn seine Investition ist hoch riskant. In diesem Fall wird das Investment „willkommen“ sein in dem Land, in dem jederzeit jemand den Menschen die Freiheit nimmt, jemand wie Kanaris1geboren wird oder eine Brücke wie die über den Gorgopotamos2-Fluss in die Luft fliegt.
Anmerkungen
1Konstantin Kanaris, ausgezeichneter griechischer Seeheld im Freiheitskrieg Anfang des 19. Jahrhunderts. (de.academic.ru)
2Gorgopotamos ist ein Dorf in Mittelgriechenland, bekannt durch die 1942 von Partisanen gesprengte Brücke, die ein Symbol des griechischen Widerstands wurde. (wikipedia)