Jose Maria Sison, politischer Chefberater der National-Demokratischen Front, Philippinen (NDFP), 12.1.2002 - Übers.: Info-Verteiler
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Die US-Militärintervention verlangt nach einer revolutionären Lösung durch das philippinische Volk
Die Abu Sayyaf-Gruppe auf den Philippinen ist, wie die Osama bin Laden-Gruppe, eine Schöpfung der USA, die der US-Kontrolle entglitten ist. Gegründet wurde sie von Agenten der CIA in Zusammenarbeit mit philippinischen CIAlern (darunter die Generäle Alexander Aguirre und Mariano Ruiz), um die Moro Nationale Befreiungsfront (MNLF) zu unterminieren, ehe diese 1996 vor der Regierung in Manila kapitulierte.
Nach der Kapitulation der MNLF hielten die CIA und ihre Marionetten in Manila die Abu Sayyaf-Gruppe für obsolet und überließen sie sich selbst. Die Gruppe begann damit, wahllos Kidnappings durchzuführen, ihre Opfer waren Zivilisten, darunter Priester, LehrerInnen an öffentlichen Schulen und SchülerInnen, aber auch ausländische TouristInnen.
Nunmehr erachten die USA und ihre philippinischen Handlanger die Abu Sayyaf wiederum als nützlich für ihre eigenen Zwecke. Sie verwenden die Abu Sayyaf-Gruppe als Vorwand für die Intervention der militärischen Berater, Ausbildner und Kampftruppen aus den USA und die Zunahme der militärischen Unterstützung für das Marionettenregime in Manila im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus.
Der Terrorismus großen Ausmaßes des US-Imperialismus versucht, den Terrorismus niedriger Ebene der Abu Sayyaf-Gruppe als Ausrede für einen Interventionskrieg zu nehmen, und für einen möglichen Aggressionskrieg gegen das philippinische Volk (darunter die Bangsamoro) und ihre revolutionären Kräfte, die für die nationale Befreiung und Demokratie kämpfen.
Mit ihrer schamlosen militärischen Intervention auf den Philippinen unterstreichen die USA den Marionettencharakter der Regierung in Manila und den anti-nationalen und gegen das Volk gerichteten Charakter solcher bilateraler Abkommen zwischen den USA und den Philippinen, wie den Militärischen Beistandspakt, das Abkommen zur Gemeinsamen Ausbildung, das “Visiting Force Agreement” (VFA, siehe auch Info-Verteiler Nr.56; 8/99) und das Abkommen über gegenseitige logistische Unterstützung.
Die Marionetten und obersten Militärs kollaborieren mit den USA bei den Verstößen gegen die nationale Souveränitat des Volkes und die territoriale Integrität der Philippinen. Sie schämen sich nicht dafür, daß die USA der ganzen Welt verkünden, daß die reaktonären bewaffneten Kräfte nicht wissen, wie sie gegen die Abu Sayyaf-Gruppe vorgehen sollen, wenn die US-Militäroffiziere und –soldaten sie nicht unterweisen, trainieren und kommandieren.
Aber das Volk wird daran erinnert, daß es bis heute keine Gerechtigkeit bezüglich der Kriegsverbrechen der US-Aggressoren erfahren hat, deren Opfer es wurde, vor allem des Massakers an hunderttausenden Philippinos zwischen 1899 und 1913 (der philippinisch-amerikanische Krieg von 1899 – 1902, der in die sogenannte “Anti-Brigandage-Kampagne” eskalierte) und des Massakers an zehntausenden von Moros in den Anti-Moro-Kriegen bis 1916.
Während die USA militärisch auf den Philippinen intervenieren, eröffnet sich den Menschen die heroische Herausforderung und Gelegenheit, Gerechtigkeit gegenüber dem US-Imperialismus auf dem Schlachtfeld zu erlangen. Sie werden dazu genötigt, nicht nur die Gewalt der USA bei der militärischen Eroberung der Philippinen wettzumachen, sondern auch die tägliche Gewalt der imperialistischen Überausbeutung abzuschütteln.
Die feige US-Strategie, die fixen (Sison meint damit “immobil”, im Gegensatz zur Guerilla, die keine solchen Bastionen aufbaut – siehe weiter unten) Positionen und Strukturen einer Regierung zu bombardieren, wie im Irak, in Jugoslawien und Afghanistan, und aus dem trockenen Terrain wie im Irak und Afghanistan ihren Vorteil zu ziehen, können gegenüber revolutionären Kräften, die auf den Philippinen einen langandauernden Volkskrieg führen, nicht adaptiert werden. Dies ist ein Krieg permanenter Bewegung, in der die Volksarmee sich auf die Allianz der ArbeiterInnen und BäuerInnen verläßt, sich mit keinen festen Strukturen belasten muß, einen Stellungskrieg vermeidet und das tropische Laubwerk zu ihren Gunsten nutzt.
Wie bei den fehlgeschlagenen Angriffskriegen in Indochina zwischen den 60er Jahren und 1975 kann das philippinische Volk, darunter auch das der Bangsamoro, durch unerwartete Guerilla-Offensiven in einem Bewegungskrieg ohne feststehende Schlachtfelder und Rückzugsgebiete den US-Aggressoren tödliche Schläge versetzen, und so den USA beibringen, die nationale Souveränität des philippinischen Volkes und die territoriale Integrität der Philippinen zu respektieren.
In dem Maß, in dem die USA immer mehr Aggressionskriege vom Zaun bricht, wird sich noch in diesem Jahrzehnt die gegenwärtige neue Weltunordnung möglicherweise in weit verbreitete nationale Befreiungskriege verwandeln. Das philippinische Volk kann reichlich Unterstützung von anderen Völkern im gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus erhalten.
Gerade jetzt findet das von den USA dirigierte Macapagal-Regime keinen Ausweg aus der ökonomischen Krise, die der Neoliberalismus verursacht hat, es unterwirft sich den militärischen Auflagen der USA im Austausch für große Versprechen über ausländische Investitionen und Kredite. Tatsächlich befinden sich aber die USA selbst in der Rezession und sind für die globale Depression verantwortlich.
Das jetzige Regime scheint zu vergessen, daß Estrada sehr rasch gestürzt wurde, vor allem, weil seine Regierung isoliert und wegen der sich verschlimmerten Krise des welt-kapitalistischen Systems schwach war. Gerade jetzt sind die breiten Volksmassen empört über das Versagen des Macapagal-Regimes bei der Erfüllung seiner Versprechen, die ökonomische Krise zu meistern und die Korruption zu beseitigen. Im Gegenteil, das Regime wird für die Verschlimmerung der Probleme verantwortlich gemacht.
Für ein Marionettenregime ist es katastrophal, bei der Befolgung der ökonomischen, politischen und militärischen Diktate des US-Imperialismus keine Grenzen zu kennen. Die unterwürfigsten und gewalttätigsten Marionetten des US-Imperialismus sind in verschiedenen Teilen der Welt gerade deswegen gestürzt, weil sie diesen Diktaten gefolgt sind, die Krise verschärft haben und damit das Volk zum Widerstand angestachelt haben.
Die US-Militärintervention und die ausgeweitete Militärhilfe an das Marionettenregime unter dem Vorwand, die Abu Sayyaf-Gruppe zu bekämpfen, ängstigt die Menschen und ihre revolutionären Kräfte nicht, sondern verstärkt ihre Wachsamkeit, und führt sie dazu, die USA und die lokalen reaktionären Kräfte zu bekämpfen, um nationale Befreiung und Demokratie zu erlangen.